St. Pölten

Erstellt am 05. Dezember 2017, 03:20

von Lisa Röhrer

Gaffer können bei Unfällen auch helfen. Schaulust nimmt zu. Samariterbund-Chef ist überzeugt, dass man sich diese zum Vorteil machen kann.

Sichtschutzwände seien im Bezirk St. Pölten nicht notwendig. Stattdessen verwenden die Einsatzkräfte Decken und teilen auch schon mal Schaulustige zum Helfen ein.  |  NOEN, Bezirksfeuerwehrkommando Lilienfeld

Ein epileptischer Anfall eines Gastes erregte vor einigen Wochen bei einer Veranstaltung in St. Pölten großes Aufsehen. Die Rettungskräfte stürmten zu dem Betroffenen, gleichzeitig versammelte sich sofort eine Schar Schaulustiger.

Bei Verkehrsunfällen oder anderen Rettungseinsätzen ist es meist nicht anders: Passanten bleiben stehen und auch Autofahrer auf der Gegenfahrbahn beobachten das Geschehen. Das Phänomen der Schaulust nimmt zu – da sind sich die Einsatzkräfte der Blaulichtorganisationen im Bezirk St. Pölten einig.

Gaffer rücken mit Smartphone und Drohnen aus

Ein Problem ist das vor allem in Zeiten des Smartphones: Die ungebetenen Zaungäste zücken oft das Handy, machen Fotos oder Videos. „Das ist natürlich schlimm. Seit neuestem werden sogar Drohnen verwendet, um Bilder zu machen“, berichtet Stadtfeuerwehr-Kommandant Dietmar Fahrafellner. Bezirksfeuerwehrkommandant Georg Schröder stimmt zu: „Die Leute haben keine Hemmungen mehr. Jeder will nur das beste Foto oder die meisten Klicks haben.“

Das sei einerseits für die Betroffenen oder Verletzten unangenehm und ein Eingriff in deren Intimsphäre. Andererseits werde damit nicht selten auch die Arbeit der Einsatzkräfte behindert: „Entweder werden sie selber zum Unfallrisiko oder stehen denen im Weg, die unter Hochdruck das machen, was ihre Aufgabe ist, nämlich Menschenleben retten“, ist Schröder verärgert.

In Deutschland brachte dieses Verhalten einen Feuerwehrmann vor wenigen Wochen derart zur Weißglut, dass er die Gaffer mit Wasser bespritzte. Nicht ganz so drastisch, aber dennoch bestimmt geht die Feuerwehr Wiener Neustadt gegen die ungebetenen Zaungäste vor: Sie hat einen mobilen Sichtschutz angeschafft. „Bitte nicht stören, wir helfen“, steht auf den aufklappbaren Wänden, mit denen nun Unfallstellen abgeschirmt werden.

Gaffer wurden sofort eingeteilt

Die Anschaffung solcher Wände ist im Bezirk für keine der Einsatzorganisationen Thema. St. Pöltens Samariterbund-Obmann Markus Voglauer geht sogar noch einen Schritt weiter: Schaulust sei gar nicht zwangsläufig als Problem zu sehen. Beim Einsatz aufgrund des epileptischen Anfalls in St. Pölten habe man die sogenannten Gaffer gleich eingeteilt: „Wir haben drei Decken genommen und einige Personen gebeten, sich mit dem Rücken zum Geschehen zu stellen und die Stelle abzuschirmen“, berichtet Voglauer. Das werde immer wieder gemacht. „Problematisch ist es nur dann, wenn die Leute nicht zu helfen bereit sind“, sagt Voglauer, „die meisten schauen aber nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Betroffenheit“, sagt Voglauer.

Decken reichen als Sichtschutz aus

Auch für Fahrafellner ist das Abschirmen von Unfallstellen von ungebetenen Zaungästen nichts Neues. „Zwei Mitglieder halten diese dann und versperren die Sicht“, sagt der Feuerwehr-Chef. Außerdem versuche man großräumig abzusperren. Am stärksten sieht Fahrafellner das Problem auf der Autobahn. „Da kommt es oft zu Folgeunfällen, weil die Leute auf der Gegenfahrbahn sich auf den Unfall konzentrieren und nicht auf die Straße schauen.“

Werner Schlögl vom Roten Kreuz sieht das ähnlich: „Dass die Intimsphäre der Betroffenen gewahrt wird, ist natürlich wichtig.“ Um Wände aufzustellen, fehlt den Rettungskräften aber die Zeit, für den Transport der Wände außerdem der Platz.

Umfrage beendet

  • Schaulustige: Helfen härtere Strafen?