Erstellt am 13. April 2017, 07:44

von Gila Wohlmann

Neuer Staatsanwalt: Von Mord zu totem Hirsch. Michaela Obenaus wechselte ins Justizministerium. Ihr Nachfolger Leopold Bien aus Gerasdorf, Experte für Großverfahren, setzt auf engen Kontakt zur Polizei.

Leopold Bien ist erst ein paar Tage in St. Pölten im Dienst, doch hat er bereits zahlreiche Akten durchzuackern,  |  NOEN, Wohlmann

St. Pölten hat einen neuen ersten Staatsanwalt und damit Stellvertreter der leitenden Staatsanwältin Michaela Schnell. Auf Michaela Obenaus, die als leitende Staatsanwältin ins Justizministerium wechselte, folgt Leopold Bien aus Gerasdorf. „Diese Bewerbung war für mich eine Chance zur Veränderung. Ich wollte aber immer in erster Instanz bleiben und bei meiner Arbeit direkten Kontakt zur Polizei haben“, betont der 38-Jährige.

Bien arbeitete seit 2008 in Wien als Staatsanwalt und war ab Mai 2013 Gruppenleiter im Bereich „allgemeines Strafrecht“. In der Bundeshauptstadt war er auch für Großverfahren in der organisierten Kriminalität wie den Mordfall Umar I. zuständig. „Da bekam ich gute Einblicke in die tschetschenische Community“, erinnert er sich, ebenso an einen Groß-Akt im Bereich illegaler Prostitution.

"NÖ-Erfahrung" in Korneuburg gesammelt

In Niederösterreich sammelte der gebürtige Kremser zuvor juristische Erfahrung bei der Staatsanwaltschaft Korneuburg. Die Stadt St. Pölten kennt er bislang nur „vom Durchfahren oder von Besuchen bei Freunden.“ Das soll sich jetzt rasch ändern. Er setzt auf engen Kontakt zur Exekutive und anderen Behörden. Die Arbeit in der Landeshauptstadt sieht er als große Herausforderung, „der ich mich mit vollem Engagement widmen will“. Neue Aufgaben kommen hinzu, wie der Bereich
Sexualdelikte und Medienarbeit.

Sein erster Akt war gleich nicht alltäglich. „Bei einer toten Hirschkuh galt es zu klären, ob diese durch einen unerlaubten Schuss verendet war. Die Wunde war aber Wildverbiss“, schildert er. Doch ob kleiner Akt oder Großverfahren, Objektivität und sachliche Betrachtung stehen für Bien immer an erster Stelle: „Wir Staatsanwälte waren ja nie dabei. Wir können nur den Sachverhalt nachstellen.“