Erstellt am 26. April 2016, 05:24

von Daniel Lohninger, Mario Kern und Birgit Kindler

Blauer Jubel nach Hofer-Sieg. 1,8 Prozent in Stadt, 36,1 Prozent im Bezirk. Van der Bellen nur in Eichgraben auf Platz 1.

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"Jede Wahl hat ihre eigene Dynamik." Mit diesen Worten analysiert Matthias Stadler, SP-Chef in Stadt und Bezirk, den Ausgang des ersten Bundespräsidentschaftswahlganges. Hatte die SP in der Vorwoche noch 59 Prozent bei der Gemeinderatswahl in St. Pölten erzielt, gab es für Rudolf Hundstorfer in der Landeshauptstadt nur 16,8 Prozent. Damit lag der SP-Kandidat nur auf Platz vier – im Bezirk musste er sogar VP-Kandidaten Andreas Khol vorbeiziehen lassen.

Mit 31,8 Prozent in der Stadt und 36,1 Prozent im Bezirk landete Norbert Hofer klar vor Alexander Van der Bellen. Dementsprechend groß fällt der Jubel der FP aus. „Es ist ein wunderschöner Tag heute. Wir freuen uns alle für Norbert Hofer“, jubelt FP-Bezirksparteiobmann Erich Königsberger am Wahlabend. Jetzt würde man alles für die Stichwahl geben. „Bei allem was über 30 Prozent liegt, da muss man einfach feiern“, freut sich Königsberger.

„Anscheinend reicht es, wenn man ‚Ausländer raus!‘ schreit, damit man 30 Prozent der Wähler gewinnt.“ Anton Heinzl (SP), Nationalrats-Abgeordneter

In die blaue Jubelstimmung mischte sich aber auf teils heftige Kritik, vor allem von SP und Grünen. „Anscheinend reicht es, wenn man ‚Ausländer raus!‘ schreit, damit man 30 Prozent der Wähler für sich gewinnt“, sieht SP-Nationalratsabgeordneter Anton Heinzl in Hofers Wahlsieg ein bedenkliches Signal. Auch der Eichgrabener Michael Pinnow, Bezirksverantwortlicher der Grünen, zeigt sich erschüttert: „Damit, dass es so deutlich wird, habe ich nicht gerechnet.“ Naturgemäß erfreut ist er über das Abschneiden von Van der Bellen, der mit 22,4 Prozent in der Landeshauptstadt besser abschnitt als österreichweit. Im Bezirk reichte es zwar nur zu 17,9 Prozent, aber Pinnow ist zufrieden: „Wir sind froh, dass er es in die Stichwahl geschafft hat.“ Vor allem das Ergebnis in seiner Heimatgemeinde Eichgraben – dort liegt Van der Bellen vor Hofer an erster Stelle – lässt den Grünen jubeln.

Nur 9,1 Prozent in der Stadt, etwas bessere 14,8 Prozent im Bezirk gab es für VP-Kandidaten Andreas Khol. Bezirksgeschäftsführer Matthias Adl und Bezirksparteiobmann Martin Michalitsch sind enttäuscht: „Khol wäre ein geeigneter Kandidat gewesen.“ Das Ergebnis führen beide auf die generelle Unzufriedenheit mit der Bundespolitik zurück. Michalitsch nennt den deutlichen Hofer-Sieg ein dringendes Alarmsignal für die Bundespolitik: „Da sollte man ab sofort sachorientiert zusammenarbeiten.“ Dass Hofer auf Platz eins landete, hätte Matthias Adl nicht für möglich gehalten. „Dass Hofer gut abschneidet, war schon vorher zu spüren. Mit einem eindeutigen Ergebnis wie diesem habe ich aber nicht gerechnet.“ Die Prognose von Adl und Michalitsch für die Stichwahl am 22. Mai: Einen eindeutigen Sieger werde es nicht geben, es werde ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Hofer und Van der Bellen geben.

Stadler-Wahlempfehlung für Van der Bellen

Bei der Stichwahl werden die Karten auf jeden Fall wieder neu gemischt. Darin sind sich die Vertreter aller Parteien einig. Eine Wahlempfehlung gibt es derzeit nur von der SP. „Ich werde Alexander Van der Bellen wählen und empfehle das auch in meiner Funktion als St. Pöltner Bürgermeister sowie SP-Landeschef – und auch als Historiker“, legt sich Stadler fest.

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