Update am 01. Dezember 2016, 18:14

Frau tötete ihre Familie und erschoss sich selbst. In einem Haus in Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten-Land) sind sechs Tote gefunden worden, teilte die niederösterreichische Polizei heute mit.

In einem Haus in Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten) sind am Donnerstag, 1. Dezember 2016, sechs Tote gefunden worden.  |  APA/Helmut Fohringer

Eine 35-jährige Frau hat ihre Mutter (59), ihren Bruder (40) und die eigenen drei Kinder im Alter zwischen sieben und zehn Jahren erschossen und anschließend die Waffe gegen sich selbst gerichtet.

Offenbar Gewalttat in Familie

Die genauen Hintergründe der Bluttat waren vorerst unklar, die Leiterin der Staatsanwaltschaft St. Pölten, Michaela Schnell, gab unter Verweis auf laufende Ermittlungen keine Auskünfte. "Wir gehen von Fremdverschulden aus", antwortete sie auf die Frage, ob eine Gewalttat vorliege. Eine Obduktion wurde angeordnet.

"Familie war sehr unauffällig"

Tatort war ein größeres Einfamilienhaus - ein ehemaliges Gasthaus mit Fremdenzimmern im ersten Stock - in einer Siedlung auf einer Anhöhe in Böheimkirchen. 20 Jahre lang hatte er das nahe der Westbahn gelegene Gasthaus geführt, ehe er das Gebäude vor gut einem Jahr an die aus der Umgebung stammende Familie verkaufte, erzählte der vormalige Gastronom, dessen Tochter noch im Nachbarhaus wohnt. 

Er beschrieb die Familie - Bruder und Schwester plus drei Kindern und ihre Mutter - als "unauffällig". Es seien keine Streitereien vorgefallen bzw. bekannt geworden.

Bürgermeister Johann Hell zeigte sich angesichts der Tragödie betroffen: "So etwas ist unglaublich tragisch." Mit der Familie, die vor etwas mehr als einem Jahr aus Kirchstetten zugezogen war, habe er keinen Kontakt gehabt. Auch Hell meint: "Die Familie war sehr unauffällig."

In einem Haus in Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten) sind am Donnerstag, 1. Dezember 2016, sechs Tote gefunden worden.  |  APA/Helmut Fohringer

Der ehemalige Hauseigentümer hatte laut eigenen Angaben am Donnerstag um 11 Uhr einen Anruf von der Polizei erhalten. Er wurde nach dem Zugang zu dem Gebäude gefragt, weil die Beamten Nachschau halten wollten. Die drei schulpflichtigen Kinder seien nämlich bereits seit drei Tagen vermisst worden, habe es geheißen.

Das Haus selbst wurde von der Polizei abgesperrt. Gegen 18 Uhr wurden die sechs Toten abtransportiert.

Fassungslosigkeit in der Siedlung

Die Bluttat hat auch bei den Bewohnern in der Umgebung Fassungslosigkeit ausgelöst. Es hieß unisono, die erst vor gut einem Jahr zugezogene Familie sei nicht bekannt gewesen.

Er wisse nicht einmal den Namen, meinte ein Mann, der seit 17 Jahren hier wohnt: "Sonst kennen sich hier alle."

"Nicht einmal vom Sehen" hatten drei Berufstätige die Familie gekannt. Sie kamen gerade von der Arbeit zurück und meinten, es sei ein "Wahnsinn", was da passiert ist. Es sei ein "sehr mulmiges Gefühl" zu wissen, dass in der unmittelbaren Nachbarschaft sechs Menschen starben.

Eine Frau, die mit ihrem Hund spazieren war, empfand es als etwas "sonderbar", dass die Familie offenbar gar keinen Kontakt wollte. Die Familie sei auch nie draußen gewesen, sondern immer im Haus gewesen - auch die Kinder, meinte sie. Ihre neunjährige Tochter kannte die Kinder - Zwillingsbuben und eine jüngere Schwester - von der Schule.

"Es ist so schrecklich", sagte ein älterer Herr. Er hatte gehört, dass die Mutter - und mutmaßliche Täterin - ihre Kinder in der Früh immer mit dem Bus zur Schule begleitet hatte. Am Nachmittag habe die Frau die kleinen dann von der Bushaltestelle abgeholt und direkt nach Haus gebracht.