Erstellt am 12. Januar 2016, 05:03

Bonpflicht stößt sauer auf. Unternehmer kritisieren Begleiterscheinungen der Verordnung. „Das ist nicht durchdacht.“

Auch Elvira Bachinger kritisiert die Begleiterscheinungen der Registrierkassenpflicht: »Der Aufwand ist enorm. Es fühlt sich auch seltsam an, dass uns Unternehmern unterstellt wird, dass wir schwarz kassieren.«  |  NOEN, Mario Kern

Zwei Wochen nach Beginn der Registrierkassenpflicht lassen Zweifel und Kritik vieler städtischer Unternehmer nicht nach. Die Anschaffung einer Registrierkassa oder Software sowie die Eingabe und Bezeichnung aller Waren machen vor allem kleinen Betrieben schwer zu schaffen. „Ich habe 3.500 verschiedene Produkte, die händisch eingetippt werden müssen“, klagt etwa Elvira Bachinger, Geschäftsführerin von Gut Ding, ihr Leid. Sie ist überzeugt, dass weitere kostenpflichtige Software-Updates kleineren Betrieben nachhaltig schaden könnten.

„Solche Aktionen kurbeln die Wirtschaft sicher nicht an, sie schaden ihr nur.“ Den Kunden sei vor allem die Bonpflicht ein Dorn im Auge. „Ab einem gewissen Umsatz sehe ich das ein, aber niemand will für einen einzelnen Apfel mit einem Bon ‚beschenkt‘ werden.“ Zwar gebe sie jedem Kunden eine Rechnung mit, nehmen würden diese aber die wenigsten.

Dieselbe Erfahrung macht Gastronom Georg Loichtl im Festspielhaus: Bei Vorstellungen für jedes einzelne Glas Wein oder Sekt einen Bon auszudrucken und auszuhändigen, sei „wahnsinnig schwierig“. „In den Pausen wollen hunderte Gäste Getränke. Sie verstehen zurecht nicht, warum sie aufgrund eines Bons länger auf ihr Getränk warten müssen.“

„Damit machen wir seit Jahresanfang gute Erfahrungen.“ 

Loichtl bietet deshalb einen Vorverkauf nach italienischem Modell an: Vor der Vorstellung bekommen Festspielhaus-Gäste eine Rechnung für ihr bezahltes Getränk, das sie dann in der Pause nur mehr abholen müssen. „Damit machen wir seit Jahresanfang gute Erfahrungen.“ Zu zeitlichen Verzögerungen komme es aber trotzdem.

Loichtl hat für die Gastronomie im Festspielhaus und für Stehveranstaltungen im Fliegerbräu insgesamt fast 10.000 Euro in Hardware, Software und tragbare Drucker investiert. Und: Aufgrund der Bonpflicht muss er hier wie dort einen zusätzlichen Mitarbeiter einsetzen.

Für die verpflichtende Bonausgabe müsse letztlich der Konsument aufkommen, ist
Loichtl überzeugt. „Die Lohnsteuererleichterung ist somit eine Lüge des Staates.“ Die neuen Verordnungen seien nicht durchdacht. „Die Menschen sind wirklich sauer auf den Staat. Niemand will sich die Zettelwirtschaft antun.“ Registriert solle ja ordentlich werden, aber „bitte nicht für jedes Glaserl“.

„Generalverdacht gegen ganze Berufsgruppe“

Wirte-Obmann Leo Graf empfindet die Registrierkassenpflicht selbst nicht problematisch: „Das war schon immer eine Voraussetzung für die Gastronomie und die Abrechnung fällt damit leichter.“ Er wehrt sich aber gegen den Pauschalverdacht, dass Wirte Steuern hinterziehen wollten. In dieselbe Kerbe schlägt der Asperhofener Bio-Bauer und Gastronom Stephan Teix, der am Montag eine Demonstration für praxisorientierte Bestimmungen vor der Wirtschaftskammer in St. Pölten organisiert hat. „Man stellt eine ganze Berufsgruppe als Steuerhinterzieher hin. Die Verpflichtungen und Bestrafungen müssen aufhören.“

Verständnis für die verärgerten Unternehmer zeigt Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Gernot Binder: „Immer noch herrscht große Unsicherheit. Es geht aber nicht mehr um rechtliche Fragen, sondern darum, welches Kassensystem für den eigenen Betrieb geeignet ist.“ Das hänge letztlich von der Größe des Wartensortiments ab.

Zur Bonpflicht seien bei ihm nicht viele negative Rückmeldungen eingelangt, betont Binder. Wohl aber müsse das Ministerium noch Detailfragen zur neuen Verordnung beantworten. „Unklar bleibt auch, wie teuer die Adaptierung des Systems im nächsten Jahr wird.“ Gemeint ist damit etwa die Signaturpflicht, die mit Jahresanfang 2017 in Kraft tritt. Damit sollen Unternehmen per integriertem Zahlencode eindeutig identifiziert werden können.