Erstellt am 03. Februar 2016, 12:28

von Claudia Stöcklöcker

Bordellbetreiber zückte Pistole. Weil er Randalierer vertreiben wollte, griff Russe zur Gaspistole. Richter: "Sittenwidrig."

 |  NOEN, APA (dpa)

Weil der Betreiber eines Bordells in St. Pölten den randalierenden Ehemann einer Prostituierten vertreiben wollte, griff er zur Gaspistole und gab einen Schuss ab. Wegen Nötigung sitzt der Russe nun vorm Richter. Geständig zu dem Vorwurf ist er nicht.

„Ich bin unschuldig und habe in Notwehr gehandelt“, sagt der 27-Jährige. Warum er das glaubt, will der Richter wissen. „Weil der Mann ausgesehen hat wie ein Verbrecher.“

"Ich hab die Pistole genommen, damit in die Luft geschossen“

Ob der Angeklagte sich bedroht gefühlt hat? Er bejaht. „Der Mann ist rasant auf das Bordell zugefahren, er war laut, hat geschimpft, mit dem Halsabschneiden gedroht und wollte ins Lokal. Ich hab die Pistole genommen, damit in die Luft geschossen“, erzählt er. Und weiters: „Probleme gab es davor mit seiner Frau. Sie ist gegangen und gekommen, so wie sie wollte.“ An Dienstzeiten habe sie sich nicht gehalten.

Ob die Liebesdame im Etablissement angestellt war? Das verneint der Bordellbetreiber. Der Richter klärt auf: „Dann hat sie keine Dienstzeiten.“ Das lässt der Angeklagte nicht gelten: „Doch“, sagt er, „freiwillige Dienstzeiten.“ Der Richter kontert: „Die gibt es nicht.“

Für den Richter ist der Fall klar, Notwehr sieht er keine, er fällt einen Schuldspruch. Für den bislang Unbescholtenen setzt es vier Monate bedingt (nicht rechtskräftig). „Der Angeklagte hätte die Polizei verständigen sollen, der Einsatz einer Gaspistole ist sittenwidrig“, begründet der Richter.