Erstellt am 15. April 2016, 05:34

von Claudia Stöcklöcker

Brauner Sumpf auf Facebook. 38-Jähriger verbreitete Nazi-Parolen im Web. Urteil: fünf Monate Gefängnis.

 |  NOEN, APA (dpa)

„Wenn Sie vorm Schlafengehen statt der Bibel Mein Kampf lesen, ist das nicht verboten. Nationalsozialistisches auf Facebook öffentlich zu verbreiten aber schon“, sagt Staatsanwalt Patrick Hinterleitner zu einem Mazedonier im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Wegen NS-Wiederbetätigung sitzt der 38-Jährige vor dem Geschworenensenat.

„Sieg Heil“, „Hitler, komm zurück, du bist der Einzige, der Europa reingewaschen hat“ und ein Bild eines Wehrmachtssoldaten mit Hakenkreuz postete der Beschäftigungslose aus Wilhelmsburg auf Facebook. Und zeigte auf einem Foto in kriegerischer Pose seine Hakenkreuztätowierung auf der Brust. Mit braunem Sumpf will er aber nichts zu tun haben.

„Für den Zweiten Weltkrieg habe ich mich nie interessiert“

„Für den Zweiten Weltkrieg habe ich mich nie interessiert“, sagt er im Prozess. Er will einem Rechtsirrtum erlegen sein und vom Verbotsgesetz keine Ahnung gehabt haben. Zur Tätowierung meint er: „Die habe ich mit 14 Jahren aus Patriotismus machen lassen.“ Dazu inspiriert habe ihn ein antikes Mosaik einer Ausgrabungsstätte in Mazedonien.

Der Staatsanwalt beantragt einen Schuldspruch. „Ich hab’ ja schon vieles gehört“, sagt Hinterleitner, „da wollte einer einmal weismachen, dass er die Hand zum Hitlergruß gehoben hat, um zu zeigen, wie viel Bier er bestellen will. Ein anderer wollte nur demonstrieren, wie hoch sein Hund springen kann. Profundes Wissen über die Antike mit 14 Jahren nehme ich dem Angeklagten nicht ab.“

Der Senat sieht das genauso. Für den 38-Jährigen setzt es zwei Jahre teilbedingt. Fünf Monate davon muss er absitzen. Das Urteil ist rechtskräftig.