Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:12

von Claudia Stöcklöcker

Brauner Sumpf im Web. 38-Jähriger postete im Internet Verbotenes und hetzte gegen Ausländer. Ein Geschworenensenat verurteilte den Vorbestraften nun zu sechs Jahren Gefängnis.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, BilderBox - Erwin Wodicka / wodi

„Er war ein Einzelgänger, hatte keine Arbeit, keine sozialen Kontakte und konsumierte Alkohol“, sagt Rechtsanwalt Alexander Heihs über seinen Mandanten. Mit 16 Jahren kam der heute 38-jährige St. Pöltner in Kontakt mit Skinheads, wegen Wiederbetätigung sitzt er nun vor Geschworenen.

Fremdenfeindliches, Antisemitisches und Antidemokratisches postete der St. Pöltner im Internet und fand damit 260 gleichgesinnte „Freunde“.

Wiederbetätigung im Netz

In zahlreichen Kommentaren glorifizierte er Adolf Hitler, propagierte nationalsozialistisches Gedankengut, veröffentlichte Fotos der Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz und Wolfsangel sowie hetzerische Musikvideos. Die Siegrune der Waffen-SS und die Zahl 88, die für „Heil Hitler“ steht, ließ er sich tätowieren. Gefunden wurde bei ihm bei einer Hausdurchsuchung ein Schlagring.

Was den St. Pöltner an Waffen-SS und NSDAP fasziniert hat? „Die sind mit Ausländern anders umgegangen und haben auf das eigene Volk geschaut“, erklärte er Ermittlern. Seine Gesinnung will er geändert haben. „Es tut mir leid“, sagt er nun.

Strenge fordert der Ankläger: „Er war Mitglied einer Community, die wanderte, von Facebook – dort hatte er 150 Accounts – zu einem anderen sozialen Netzwerk, das 100 Millionen aktive Nutzer aufweist. Dort hielt er seine Profile für jeden angemeldeten Nutzer einsehbar. Das, was angeklagt ist, ist nur die Spitze des Eisberges“, sagt Staatsanwalt Karl Fischer.

„Mit Stahlkappenschuh auf Opfer eingetreten“

Dass sich der St. Pöltner geändert hat, glaubt der Ankläger nicht: „Er war lange Skinhead, hat bereits mit Stahlkappenschuhen auf ein Opfer eingetreten, da ändert man sich nicht so schnell.“

Zwölf Vorstrafen hat der Angeklagte, meist wegen Delikten gegen Leib und Leben. Und wegen Sachbeschädigung. „Das war bei einer Hausbesetzung, damals war ich noch ein Punk“, erklärt der St. Pöltner. „Sie waren schon sehr fremdbestimmt!“, bemerkt ein Richter.

Von „einfachem Charakter“ wäre der 38-Jährige, sagt der Verteidiger: „Er durchschaut die Hintergründe nicht. Er war fasziniert von den Aufmärschen, den imperialistisch anmutenden Bildern und erkennt erst jetzt, was er angestellt hat.“

Die Geschworenen sprechen den St. Pöltner wegen Verbrechen nach dem Verbotsgesetz, mehrerer Vergehen der Verhetzung und wegen des Vergehens nach dem Waffengesetz für schuldig. Sechs Jahre muss er nun hinter Gittern absitzen.

Gegen die Strafhöhe legte sein Verteidiger sofort Berufung ein.