Erstellt am 31. März 2016, 18:14

von Beate Steiner

"Das ist eine reine Zweiklassenmedizin". Das Magazin "Konsument" beweist und Patientenanwalt Gerald Bachinger erregt sich über Wartezeiten für Kassenpatienten.

Patientenanwalt Gerald Bachinger: „Streit auf Rücken der Patienten.“  |  NOEN, zVg

Bis zu drei Monate Wartezeit für Kassenpatienten, Sofort-Termine für Selbstzahler – das ist Realität bei Terminen für eine Magnetresonanz-Therapie. Was die NÖN Ende vergangenen Jahres berichtete, hat das Magazin „Konsument“ mit „Mystery Shopping“ jetzt bewiesen. Ursache der Ungleichbehandlung ist ein Disput der Ärztekammer mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger: „Die honorierten MRT-Untersuchungen in Österreich sind limitiert, so wurde ein sinnloses Regulativ geschaffen“, sagt der St. Pöltner Arzt Franz Frühwald, stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Radiologie in der Ärztekammer. Und: „Man spart hier am falschen Fleck und nimmt enorme Folgekosten in Kauf.“

„Man spart hier am falschen Fleck"

Bernhard Wurzer, Generaldirektor-Vize des Hauptverbands kontert, dass Privatzahler nicht bevorzugt werden dürften: „Das ist vertraglich geregelt.“ Allerdings sei strittig, ob Patienten auf Wunsch außerhalb der Ordinationszeiten behandelt werden können.

Kein Verständnis für den Streit, der auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird, hat Patientenanwalt Gerald Bachinger: „Mir ist vollkommen egal, wer im Recht ist. Beide Vertragspartner haben die Pflicht, dass die Menschen ihre Leistung bekommen.“ Und das in angemessener Zeit. Nicht wie im Fall eines jungen Handwerkers, der nach einer Knieverletzung sechs Wochen auf die Untersuchung hätte warten müssen – arbeitsunfähig, was den sicheren Jobverlust bedeutet hätte. „Klar, dass der junge Mann die 200 Euro für die Untersuchung hingeblättert hat“, sagt Gerald Bachinger und äußert den Verdacht, dass sich zwischen den Vertragspartnern nichts tut, weil beide in der derzeitigen Situation Gewinner sind: „Die Ärzte verdienen sich ein Körberlgeld und die Krankenkassen wollen auch nichts ändern, weil sie so nicht mehr zahlen müssen.“

„Zweiklassenmedizin in Reinkultur“

Die Dummen bei dieser „Zweiklassenmedizin in Reinkultur“ sind die Patienten, ärgert sich der Patientenanwalt und fordert eine baldige gesetzliche Regelung: „Die Gesundheitsministerin hat versprochen, das Problem bis Ende Jänner zu lösen. Passiert ist bisher nichts.“