Erstellt am 14. Januar 2016, 13:08

von Daniel Lohninger

Der Norovirus hat Hochsaison. Die Epidemie im Seniorenheim ist mittlerweile abgeklungen, Amtsarzt warnt vor Panikmache.

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Noroviren-Alam – nur einmal hatte es das in den vergangenen fünf Jahren in der Landeshauptstadt gegeben. In der Vorwoche war es wieder soweit: Im Seniorenwohnheim Stadtwald griff die Epidemie um sich und bescherte den Bewohnern rund um den Feiertag ein Besuchsverbot. Anfang dieser Woche hat sich die Situation wieder normalisiert.

„Das Besuchsverbot wurde zum Schutz der Angehörigen und zur Minimierung der Ansteckungsgefahr erlassen“, erklärt Seniorenwohnheim-Leiterin Christina Hofkirchner. Umgehend seien auch die vorgeschriebene Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet worden, nachdem eine Stuhlprobe positiv auf Noroviren getestet worden war. Die Mitarbeiter wurden mit entsprechender Schutzkleidung und Handschuhen ausgestattet, die Bettwäsche häufig desinfiziert und die Toiletten häufiger gereinigt. Den betroffenen Senioren wurde Bettruhe verordnet. Eine Sperre des Seniorenheims war nicht notwendig. Sie ist erst vorgeschrieben, wenn über 50 Prozent der betreuten Personen an Noroviren erkrankt sind.

„Vor der Einführung moderner Labortests fielen diese Krankheitserscheinungen unter den Begriff ‚Darmgrippe‘.“ Amtsarzt Edmund Entinger

In Anbetracht der hohen Infektiosität des Norovirus seien die Maßnahmen jedoch nur begrenzt wirksam, führt Amtsarzt Edmund Entinger aus. Er selbst habe sich aber überzeugt, dass die Hygienemaßnahmen im Seniorenheim sofort nach Bekanntwerden der ersten Erkrankungsfälle konsequent umgesetzt wurden. „Eine durch Medien provozierte Hysterie ist nicht angebracht, da die Erkrankung üblicherweise nach maximal drei Tagen beendet ist und keine Dauerschäden hinterlässt“, relativiert Entinger die mediale Aufregung nach Bekanntwerden der Noroviren-Erkrankungen in St. Pölten. Die Krankheit sei auch keineswegs neu: Früher seien diese Krankheitserscheinungen unter den Begriff „Darmgrippe“ gefallen, so Entinger. Erst seit der Einführung moderner Labortests seien Noroviren nachweisbar.

„Hauptreservoir ist der Mensch“

Noroviren seien auf der ganzen Welt die überwiegende Ursache für akute Brechdurchfälle in Gemeinschaftseinrichtungen, Krankenhäusern und Altenheimen, erklärt Primar Christoph Aspöck, Leiter der Universitätsklinik für Hygiene und Mikrobiologie in St. Pölten. Besonders häufig würden sie in unseren Breiten zwischen Oktober und März auftreten. „Hauptreservoir ist der Mensch. Noroviren werden über den Stuhl und Erbrochenen ausgeschieden“, so Aspöck. Einer der Hauptgründe dafür, dass sich Noroviren so rasch verbreiten, sei, dass geringste Mengen an Viruspartikeln reichen, um eine Infektion zu verursachen. „„Beim Erbrechen werden virushältige Tröpfchen ausgeschieden. Durch Kontakt über Hände und kontaminierte Flächen erfolgt die Übertragung“, klärt Aspöck auf.

Im Universitätsklinikum gibt es, so wie in allen anderen öffentlichen Einrichtungen, einen Notfallplan, der umgehend in Kraft gesetzt wird, sobald der Norovirus nachgewiesen wird. In den vergangenen Jahren war er in St. Pöltner Spital nicht notwendig. Den bislang letzten Norovirus-Fall in der Stadt gab es 2014 in einem Gastronomie-
betrieb.