Erstellt am 01. März 2016, 15:51

von Claudia Stöcklöcker

„Die dunkelste Seite menschlicher Seele“. „Ich bin Gott“, schrie 50-Jähriger und stach mit Küchenmesser auf seinen Bekannten ein. Senat sprach Einweisung aus.

 |  NOEN, APA (Archiv)

Mit einem Küchenmesser stach ein St. Pöltner (50) auf einen 64-Jährigen in dessen Wohnung am 14. September 2015 ein, ein Geschworenensenat wies den Mann nun in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ein.

„Das, was wir hier sehen, ist der Abgrund, die dunkelste Seite der menschlichen Seele“, sagte Staatsanwalt Patrick Hinterleitner im Prozess am Landesgericht St. Pölten. 

Opfer: „Ich bin Gott!“, hat er geschrien

 Von einem Wutausbruch des 50-Jährigen erzählte das Opfer. „Ab und zu hat er mich besucht, weil er keinen Stromanschluss und Fernseher besitzt. Damals war es nach Mitternacht, als er an meiner Tür geklopft hat. Nach fünf Minuten hat er zum Schreien begonnen. Ich hab’ ihn aufgefordert, die Wohnung sofort zu verlassen und hab’ mich umgedreht. Plötzlich hab’ ich hinter mir ein Geräusch gehört. ,Ich bin Gott!‘, hat er geschrien. Als ich mich wieder umgedreht hab’, habe ich auch schon das Messer im Bauch gehabt“, so der 64-Jährige aus St. Pölten.

Zweimal stach der 50-Jährige mit dem Messer mit einer 22 Zentimeter langen Klinge zu. Drei Zentimeter tief war der erste Stich, lebensbedrohlich der zweite. Rippenknorpel und Leberlappen wurden verletzt, das Zwerchfell durchstochen. 

„Ich kann Tote wieder zum Leben erwecken“

Nach der Attacke forderte der St. Pöltner Bares. „Ich soll ihm Cash geben, hat er gesagt. 15 Euro hab’ ich ihm gegeben“, erzählte das Opfer weiters. Und: „Zum Abschluss hab’ ich ihm einen Tritt in den Hinterteil versetzt, die Rettung gerufen und das Messer abgewaschen.“

Anzeige habe der 64-Jährige nicht sofort erstattet, „weil ich zuerst gedacht habe, dass er dann den Rest seines Lebens in einer Anstalt verbringen muss. Dann aber, dass ich ja verantwortlich bin, wenn wieder so etwas passiert.“ Der 50-Jährige gestand im Prozess nicht. „Ich glaube, dass ich in die Katze oder den Teppich gestochen hab’“, sagt er.

Bei anderer Einvernahme hingegen berichtete er von einer Eingebung. „Es ist bei mir angekommen, dass er Gott morden wollte. Ich führte das Messer in seinen Bauch ein. Ich wollte ihm eine Lektion erteilen“, erklärte der Betroffene vor Ermittlern. Und weiters: „Sorgen habe ich mir keine gemacht, weil ich weiß, dass ich Tote wieder zum Leben erwecken kann.“ 

Chronisch paranoide Schizophrenie

 Laut Psychiater Werner Brosch befand sich der 50-Jährige zum Tatzeitpunkt im Zustand einer chronisch paranoiden Schizophrenie. Zurechnungsfähig wäre der Mann somit nicht gewesen und mit ähnlichen Taten wäre in Zukunft zu rechnen.
„Der Betroffene konnte sich lange unauffällig verhalten, von seinen krausen Gedanken hat er sich bis heute nicht distanziert“, so der Psychiater.