Erstellt am 26. Januar 2016, 10:37

von Gila Wohlmann

Die St. Pöltner rüsten auf. Zahl der Anträge auf Waffenbesitzkarte hat sich in den letzten Monaten verdoppelt.

Wer eine Waffenbesitzkarte beantragt, der muss vorher eine mehrstündige Schulung im Umgang absolvieren.  |  NOEN, www.shutterstock.com/DMyTo
77 Waffenbesitzkarten wurden allein von Oktober bis Jahresende in St. Pölten ausgestellt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 waren es nur 39. „Eine eklatante Steigerung“, stellt Karl Perchtaler, Leiter der sicherheits- und verwaltungspolizeilichen Abteilung der Landespolizeidirektion, fest. Während 2015 in der Stadt St. Pölten somit 116 Waffenbesitzkarten ausgestellt wurden, waren es im Jahr davor nur 41 gewesen.

Ähnlich verhält es sich im Bezirk St. Pölten-Land: Von insgesamt 195 Waffenbesitzkarten wurden 80 erst gegen Ende des Jahres 2015 ausgestellt. 2014 wurden gesamt nur 84 Waffenbesitzkarten genehmigt.

"Wunsch nach Selbstschutz 
und Schutz des Eigenheims"

Über die Hintergründe sind sich Perchthaler und Bezirkshauptmann Josef Kronister einig: „Es ist einerseits der Wunsch nach Selbstschutz und Schutz des Eigenheims, aber auch die Änderung der Judikatur.“ Mit 1. Oktober 2012 begann nämlich der Echtbetrieb des Zentralen Waffenregisters (ZWR) und somit die Registrierung von Schusswaffen aller Kategorien.

Außerdem gebe es eine neue EU-Richtlinie. Diese sieht Verschärfungen bei Erwerb, Besitz und Einfuhr ziviler Schusswaffen vor. Halbautomatische Schusswaffen sollen verboten, Gaswaffen, Schreckschusspistolen, deaktivierte Waffen und Spielzeugwaffen registrierungspflichtig werden. Wer eine Waffenbesitzkarte erlangen will, muss dann mindestens 21 Jahre sein, einen einwandfreien Leumund haben, EWR-Bürger sein, ein ärztlich-psychologisches Gutachten vorlegen, ebenso eine Einschulung an der Waffe und eine sinnvolle Begründung.

Waffenpässe, die zum Führen von Waffen berechtigen, werden nur bei Bedarf ausgestellt. Hier sind die Genehmigungen rückläufig. In der Stadt waren es im Vorjahr 14, im Bezirk 32. „Da sind wir wirklich sehr rigoros“, sagt Kronister.

Frauen erkundigen sich wegen Pfeffersprays

„Keinen verstärkten Waffengebrauch“ ortet Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler. Ihm sei aber aufgefallen, „dass sich Frauen vermehrt nach Pfeffersprays zum Selbstschutz und den damit verbundenen Gefahren erkundigen“. Nachdenklich stimmt ihn die Werbestrategie mancher Waffenhändler: „Es ist traurig, dass Vorfälle wie die sexuellen Übergriffe in Köln und Salzburg zum Anlass genommen werden, für Schusswaffen zu werben, die für Frauen leicht zu handhaben sind.“

Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler ortet „keine vermehrten Amtshandlungen in Bezug auf Waffen“ in der Landeshauptstadt. Er betont aber, dass „nicht jeder Gegenstand, der als Waffe eingesetzt werden kann, auch verboten ist“ – das gelte vor allem für viele Messer. Andere Waffen wie Schlagringe kämen in manchen Jugendkreisen vor. Auch er hat ein erhöhtes Interesse von Frauen am Erwerb von Pfeffersprays und der Teilnahme an Selbstverteidigungskursen festgestellt.

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