Erstellt am 09. Februar 2016, 04:28

von Jutta Streimelweger

Diskriminiert per Inserat. Empörung über Vermieterin, die Wohnung nur an Menschen mit Deutsch als Muttersprache vermieten möchte. Diese begründet das mit „schlechten Erfahrungen“.

Aufregung in St. Pölten um Inserat. Vermieterin will Wohnung nur an Personen mit Deutsch als Muttersprache vergeben.  |  NOEN, Screenshot/Streimelweger
Eine Einzimmerwohnung, 35 m2 groß, voll möbliert um 395 Euro – eine Wohnung, die für Flüchtlinge mit Asylbescheid interessant wäre, doch den Zuschlag werden sie nicht bekommen. Der Grund: Die Vermieterin will sie nur an Personen mit Deutsch als Muttersprache vergeben.

„Offen ausgesprochener Rassismus schmerzt“

Auf das Inserat im Internet aufmerksam machte Sonia Höllerer, die sich für Flüchtlinge einsetzt: „Wenn ich so etwas lese, frage ich mich, ob wir unsere christlichen Werte, auf die wir stolz sind, vergessen haben.“ Sie sei nicht blauäugig, natürlich gebe es auch schwarze Schafe: „Aber offen ausgesprochener Rassismus und diskriminierendes Verhalten schmerzen mich als Österreicherin schon sehr.“



„Ich habe in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht“, erklärt die Vermieterin auf NÖN-Nachfrage ihre Beweggründe. Die letzten Mieter aus Tschetschenien hätten ihr die Wohnung verwüstet und sie angespuckt. „Die Probleme waren massiv, so etwas möchte ich nie wieder. Dass ich nur an Menschen mit Deutsch als Muttersprache vermiete, ist mein gutes Recht.“

Vermieterin droht nun eine Anzeige

Gregor Unfried, Sprecher des Bündnisses für Toleranz, Menschlichkeit und Solidarität, sieht das anders: „Wenn Menschen in einem Inserat von der Möglichkeit, die Wohnung zu mieten oder zu kaufen ausgeschlossen werden, handelt es sich um eine verbotene Diskriminierung.“

Das bestätigt auch Ines Grabner-Drews von der Gleichbehandlungsanwaltschaft: „Inserate müssen diskriminierungsfrei sein.“ In diesem Fall komme es aufgrund der Formulierung eindeutig zu einer Diskriminierung, für die eine Verwaltungsstrafe fällig werden kann.

Schockiert über das Inserat ist auch Dominik Paireder vom Verein „Guarantee on Tomorrow“, der immer auf der Suche nach Wohnungen für Flüchtlinge ist. Solche zu finden sei bereits jetzt sehr schwer. Er appelliert: „Wer etwas zu vermieten hat, kann sich bei uns melden.“

Das Inserat wurde mittlerweile von der Plattform entfernt.