Erstellt am 12. April 2016, 14:54

von Presseaussendung

Domplatz: 10.000stes Skelett wird freigelegt. Die archäologischen Ausgrabungen am Domplatz sind als Voraussetzung für die Neugestaltung gesetzlich vorgeschrieben. Die wissenschaftlichen Arbeiten schreiten zügig voran und mit der Freilegung der zehntausendsten Bestattung wurde ein Rekord erreicht.

Bei dem 10.000sten Skelett am Domplatz handelt es sich vermutlich um eine Priesterbestattung in der Andreaskapelle, erkenntlich an der typischen Topfbeigabe. Der umgestülpte Topf schütze wahrscheinlich Priesterutensilien aus vergänglichem Material.  |  NOEN, Josef Vorlaufer

Am St. Pöltner Domplatz wurde am 12. April 2016 das zehntausendste Skelett ausgegraben – eine unfassbare Zahl! Europaweit gibt es keinen mittelalterlich-frühneuzeitlichen Friedhof, auf dem so viele Bestattungen freigelegt wurden. Um entsprechende wissenschaftliche Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung und zum Gesundheitszustand treffen oder Rückschlüsse auf Ernährungsgewohnheiten und Lebensbedingungen ziehen zu können, müssen die Skelette zunächst fein säuberlich herausgeputzt werden.

Als nächster Schritt folgt die Dokumentation unter Einsatz moderner Technik. Nach der Bergung wird die anthropologische Untersuchung durch die medizinische Universität Wien durchgeführt. Bestimmt werden Lebensalter, Geschlecht und Größe, und es wird untersucht, ob sich Krankheiten oder Verletzungen feststellen lassen. Diese Untersuchungen liefern außerdem wichtige Erkenntnisse für die moderne Medizin. Am Ende des Projektes werden die Individuen am heutigen Friedhof in einem Sammelgrab beigesetzt.

900 Jahre Friedhof

Am heutigen Domplatz lag einst der Stadtfriedhof von St. Pölten. Wie die Ausgrabungen nachwiesen, wurde er bereits im 9. Jahrhundert n. Chr. angelegt; erst 1779 wurde er aufgelassen. Im 19. Jahrhundert hat man das Niveau des ehemaligen Friedhofs abgesenkt, sodass die Bestattungen bereits unmittelbar unter der Beton- bzw. Asphaltdecke zum Vorschein kommen.

Archäologie ist Voraussetzung für Neugestaltung

Der gesamte Domplatz würde vom österreichischen Bundesdenkmalamt zum Bodendenkmal erklärt. Für die Neugestaltung des Domplatzes muss ein fachgerechter Unterbau hergestellt werden, damit die Haltbarkeit der Oberfläche für Jahrzehnte garantiert werden kann. Zudem müssen Wasser-, Stromleitungen sowie Kanal, die teilweise hundert Jahre alt sind, sowie andere Einbauten, dringende erneuert werden.

Die Oberflächengestaltung und die Erneuerung der Einbauten erfordern massive Eingriffe in den Untergrund, die aufgrund der Gesetzeslage nur unter Einhaltung des Denkmalschutzes mit Einbeziehung von archäologischen Grabungen durchgeführt werden dürfen.