Erstellt am 17. November 2015, 04:23

von Daniel Lohninger und Beate Steiner

Domplatz: Ein Platz, viele Meinungen. Unternehmer-Trio startet mit Unterschriftenliste in Partizipationsprozess zur Domplatz-Gestaltung in St. Pölten.

Daniel Zinner, Johanna Haslinger und Jörg Eibl sammelten Unterschriften für einen Domplatz, der auch in Zukunft zumindest 135 Autos Platz bietet.  |  NOEN, NÖN
Schlag auf Schlag ging es in der Vorwoche in der Dauer-Debatte um die Zukunft des Domplatzes. Zuerst wagte sich FP-Wirtschaftssprecher Martin Antauer vor und geißelte die SP für „ihre autofahrerfeindliche Politik“.

Er forderte Altbekanntes wie die Zwei-Stunden-Parkmünzen für Innenstadt-Besucher und die Errichtung einer neuen Innenstadtgarage, ließ aber auch damit aufhorchen, dass er die volle Zahl der Parkplätze am Domplatz erhalten will.

Liste soll dem Bürgermeister übergeben werden

Am Tag danach fand die erste Veranstaltung des Partizipationsprozesses mit den betroffenen Einzelhändlern und Gastronomen der Innenstadt statt. Eingeladen waren 200, tatsächlich gekommen sind 20

Unter ihnen auch Jörg Eibl, Johanna Haslinger und Daniel Zinner, die eine Liste mit knappen 200 Unterschriften mit dabei hatten: Sie alle hatten dafür unterschrieben, dass am Domplatz zumindest die derzeit vorhandenen 135 Parkplätze erhalten bleiben und es pro Woche auch künftig nicht mehr als zwei Markttage gibt.

„So gut wie alle Unternehmer, die wir gefragt haben, stimmen unserer Forderung zu“, bekräftigte das Trio. Die Liste soll jetzt dem Bürgermeister übergeben werden.

Dass Eibl, Zinner und Haslinger selbst die Initiative übernommen haben, wo doch die Stadt-VP bereits Unterschriften für Parkplätze am Domplatz gesammelt hat, erklärt Eibl so: „Uns geht es um Überparteilichkeit.“ Die Umgestaltung des Platzes begrüße man zwar, für zwei parkplatzfreie große Plätze sei St. Pölten aber zu klein.

„Schon jetzt Einbußen an Markttagen“

Eine überraschende Erkenntnis, die im Gegensatz zu bisherigen Erhebungen steht, wollen Eibl, Zinner und Haslinger auch gemacht haben. „Die meisten Kaufleute in der Innenstadt leiden bereits jetzt an den Markttagen unter massiven Umsatzeinbußen“, erklärt Eibl – allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Jedenfalls liege das daran, dass die Kunden von auswärts keinen Parkplatz im Zentrum finden. Eibl: „Die entdecken zum Glück immer öfter, dass St. Pölten eine schöne Stadt ist.“ Ebenso präsentierte er die angeblich fertigen Pläne für den Domplatz – tatsächlich war es aber ein alter Entwurf.

Die Pläne seien natürlich noch nicht fertig, betont Plattform-2020-Obmann Josef Wildburger.



„Die Anregungen, die im Partizipationsprozess an die Stadt herangetragen wurden, werden in die Planungen der Verkehrs- und Parkraumbewirtschaftung einbezogen“, versichert er. Er sei davon überzeugt, dass die Entwicklung der Innenstadt künftig zu wesentlich höherem Parkplatzbedarf als den geforderten 135 Stellplätzen führen werde.

Wildburger: „Deshalb werden alle Möglichkeiten geprüft, um weiteren Parkraum zu schaffen.“ Dass die Markttage den Innenstadt-Geschäften ein Umsatzminus bringen sollen, sei schwer vorstellbar: „Es wäre sehr überraschend, wenn durch die deutlich gesteigerte Frequenz an Markttagen in der Innenstadt die Händler mehrheitlich unter massiven Umsatzeinbußen leiden.“

Tatsächlich gebaut wird am Domplatz nicht vor 2018. Wildburger: „Bis dahin werden die Bedenken in die weiteren Überlegungen einfließen.“ Er sei gerne bereit, so Wildburger, den Unterzeichnern der Unterschriftenliste in einer weiteren Veranstaltung die Grundlagen nochmals näher zu erläutern.
 

Zitiert: Worte zum Domplatz

„Ohne Parkplätze oder Ersatzparkplätze am Domplatz bringt man die um, die hier ihr Geld verdienen.“
Daniel Zinner, Geschäftsführer Monte Hegro, Marktgasse

„Ich freue mich auf die Garage am Neugebäudeplatz, das wird die Innenstadt beleben.“
Monika Kerndl, Maßschneiderin, Wiener Straße

„Jemand, der bei mir seine Brille abholt, braucht dazu fünf Minuten, wenn er am Domplatz parkt, fünf Minuten länger, wenn er sich einen Garagenplatz nimmt.“
Roland Bacik, Optiker, Herrengasse

„Der Domplatz sollte kein Parkplatz bleiben, davon bin ich überzeugt. Solange dort Ladeflächen sind, brauchen Kaufleute keine Angst um ihre Kundenfrequenz zu haben.“
Karl Heinz Maringer, Galerist, Herrenplatz