Erstellt am 18. September 2015, 05:27

von Manuela Mayerhofer

„Einfach der Zeit voraus“. Das S-House in Böheimkirchen feiert sein zehnjähriges Bestehen. Christina Böckl spricht über die vielen Vorteile nachhaltiger und zukunftsweisender Bauweise.

 |  NOEN, Manuela Mayerhofer

Das S-House feiert sein zehnjähriges Bestehen mit einer Präsentation von zukunftsweisenden Ideen im Bereich nachhaltiges Bauen. Die NÖN sprach mit Projektassistentin Christina Böckl vom GrAT, einem Verein an der TU für angepasste Technologie.

NÖN: Das S-House – Paradebeispiel für nachhaltiges Bauen — wurde vor zehn Jahren errichtet. Ist das Haus selbst nach dieser Zeit nach wie vor am neuesten Stand der Technik?
Böckl: Das Demonstrationsgebäude S-House war bei seiner Fertigstellung im Jahr 2005 innovativ und einfach seiner Zeit voraus. Die Innovationsschwerpunkte von damals sind heute aktueller denn je, wie etwa die baubiologische und ökologisch konsequente Umsetzung eines Passivhauses aus nachwachsenden Rohstoffen, ein schlankes, angemessenes Technikkonzept, das erneuerbare Energieträger verwendet und anfallende Abwärme nutzt, eine stark nutzungsorientierte Gestaltung des Gebäudes sowie noch vieles mehr.

Gesundes Raumklima wird immer wichtiger

Worauf legen Bauherrn denn besonders großen Wert?
Ein gesundes Raumklima ist für viele Bauherren in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Die baubiologisch einwandfreie Ausführung, sowie Lüftungskanäle aus Zirbenholz tragen im S-House zu einem gesunden und angenehmen Raumklima bei, das auch von vielen Besuchern bemerkt und geschätzt wird.

Forschung und Entwicklungen im Bereich nachhaltiges Bauen stehen im S-House im Mittelpunkt – was sind die Erkenntnisse, die man in den letzten zehn Jahren gewonnen hat?
Über einige Jahre hinweg durchgeführte mikrobiologische Untersuchungen der im S-House verbauten Strohballen durch die BOKU haben gezeigt, dass die im Stroh natürlich vorhandenen Schimmelpilzkeime erheblich abnehmen und es im Innenraum zu keinem durch das Dämmmaterial bedingten Anstieg von Schimmelpilzsporen kommt. Strohballen sind also aus hygienischer Sicht unbedenklich.
Vorurteile bezüglich Nager- und Insektenbefall des Strohs konnten ausgeräumt werden, Feuchtebefall muss vermieden werden, kann jedoch durch entsprechende bauliche Lösungen - Schlagwort diffusionsoffen - einfach und wirkungsvoll erreicht werden. Brandtests ergaben aufgrund der dichten Pressung einen Brandwiderstand von F90 für Baustrohballen und damit erfüllen Sie die baurechtlichen Anforderungen.

Noch relativ wenig Strohbauten in Österreich

Wie sieht es mit der Umsetzung in der Praxis bei Einfamilienhäusern aus. Was können zukünftige „Häuselbauer“ bei der Errichtung ihrer Eigenheime umsetzen, worauf müssen sie achten, welche wesentlichen Änderungen werden in den nächsten Jahren auf sie zukommen?
Derzeit gibt es in Österreich im Verhältnis zum „konventionellen“ Einfamilienhaus noch relativ wenig Strohbauten. Das Interesse an gesunder, nachhaltiger, ökologischer Bauweise bei Einfamilienhäusern ist in den letzten Jahren jedoch gestiegen und für viele sind Strohballen durch ihre regionale Verfügbarkeit eine wirtschaftliche und ökologisch sinnvolle Alternative zu anderen Baustoffen. Aufgrund der EU-Richtlinie über die Energieeffizienz von Gebäuden bieten natürliche Baustoffe wie Stroh, Hanf, Kalk und Lehm durch ihre gute Dämmwirkung und ihren geringen bis negativen ökologischen Fußabdruck eine wirtschaftliche und ökologische Alternative für energieeffizientes und ressourcenschonendes Bauen und Wohnen.

Immer häufiger ist man auch in unseren Breitengraden mit extremen Witterungsbedingungen konfrontiert. Wie kann man da beim Errichten eines Hauses vorsorgen, damit das Klima im Haus trotzdem erträglich ist?
Gerade in diesem Bereich können Strohwände durch ihre hohe Dämmwirkung extremer Hitze und Kälte entgegenwirken, da sie sich der Raumlufttemperatur angleichen und den Wohnkomfort dadurch erhöhen. Beim S-House wurden darüber hinaus noch verschiedene weitere Details bereits in der Planung bedacht.