Erstellt am 22. April 2016, 09:54

von Daniel Lohninger

Einmal im Jahr stinkt's. Aufgrund ungünstiger Winde war Gülle bis ins Zentrum zu riechen. Ende April ist spätestens Schluss damit.

 |  NOEN, Mario Kern

Eine streng riechende Brise zog St. Pöltnern in die Nase, die in den vergangenen Tagen den Frühling im Schanigarten am Rathausplatz oder Herrenplatz genossen. Die Ursache für die ländlichen Gerüche in der City: Landwirte im Umland hatten Jauche ausgeführt.

Auf entsprechende Beschwerden reagiert man im Magistrat gelassen. St. Pölten sei zum Glück von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben – was neben den vielen Vorteilen eben auch wenige Nachteile mit sich bringe. „Leider fällt die Ausbringung von Wirtschaftsdünger zwangsläufig oft mit den ersten warmen Tagen zusammen“, erklärt Ingrid Leutgeb-Born von der Umweltschutzabteilung.

Kürzere Düngzeit durch neue Richtlinien

Luftdruck und Windrichtung könnten dazu führen, dass auf Feldern ausgebrachte Gülle auch im Stadtzentrum zu riechen sei, klärt Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Hieger auf. Mitverantwortlich dafür seien auch die neuen Nitratrichtlinien. „Die Zeiten für die Ausbringung wurden deutlich eingeschränkt“, so Hieger. Die Folge sei, dass nun in kürzerer Zeit intensiver gedüngt werden müsse. Die Landwirte hätten aber viel in Tanks und Schleppschläuche investiert, um die Geruchsbelästigung beim Ausbringen zu reduzieren. Die Gülle bleibe dann aber liegen, weil sie in Getreidefelder nicht eingearbeitet werden könne.

Die Düngung mit Gülle sei jedenfalls die natürlichste Form der Nährstoffversorgung der Böden, betont Hieger: „Das ist der optimale Kreislauf.“ Leider gehe die Zahl der Landwirte mit Tierhaltung laufend zurück. Weniger Gülle heiße zugleich aber mehr Kunstdünger. „Der ist zwar geruchlos, aber nicht natürlich“, so Hieger.

Für dieses Frühjahr ist es bald sowieso vorbei: Die Ausbringungsfrist endet noch im April.