Erstellt am 16. Juni 2016, 15:30

von Mario Kern

Elias schallt im Dom. Dommusik führt zum ersten Mal Mendelssohn-Bartholdys Oratorium auf und leistet dabei ein Stück weit Bewusstseinsarbeit.

 |  NOEN, thomas.m.jauk

Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“ wird am Sonntag, 19. Juni, ab 18 Uhr zum ersten Mal im Dom St. Pölten zu hören sein. Mit dem Werk tischen Domchor, Domorchester und Stefan Zenkl als Prophet Elias dann nicht nur ein „musikalisch großes Werk“ auf, wie es Domkapellmeister Otto Kargl beschreibt.

Sie leisten auch Bewusstseinsarbeit: Im 19. Jahrhundert war „Elias“ vor allem im englischsprachigen Raum weitverbreitet. In Deutschland hingegen kaum. „Das lässt darauf schließen, dass es große Ressentiments gegen den deutschen Komponisten Mendelssohn als gebürtigen Juden gab“, so Kargl. Ab 1933 war die Aufführung von „Elias“ in Deutschland sogar verboten. „Bis in die 1970er Jahre gab es nur eine englischsprachige Schallplatte“, erklärt Otto Kargl. Erst in den letzten 30 Jahren habe so etwas wie eine Mendelssohn-Renaissance eingesetzt.

"Klischees und Schubladen lassen uns als Menschen eng werden.“

„Dass ein Komponist aufgrund seiner Herkunft, seiner Religion oder seiner Kultur über 100 Jahre lang ausgegrenzt wird, ist im negativen Sinne bemerkenswert. Das sollte uns zu denken geben. Klischees und Schubladen lassen uns als Menschen eng werden.“

Mendelssohns „Elias“ sei ein Oratorium mit vielen Ohrwürmern – „populären Arien und Chören mit großem Wiedererkennungswert“. „Im 19. Jahrhundert wurde kein größeres Oratorium geschrieben“, weiß Kargl. Zum großen Schlusspunkt der Dommusik-Saison singen ausschließlich Solisten, die ihre ersten solistischen Gehversuche in der Dommusik gemacht haben, darunter eben Bariton Stefan Zenkl als Elias.