Erstellt am 17. November 2015, 02:48

von Nadja Straubinger

Elisabeth Stoiber: In der Krise für Kinder da. St. Pöltner Krisenpflegemutter Elisabeth Stoiber erhielt NÖN-Leopold für ihr Engagement.

Krisenpflegemutter Elisabeth Stoiber (3. v. r.) erhielt den NÖN-Leopold in der Kategorie »Engagement«. Gratuliert haben Maria Forstner, NÖN-Chef-vom-Dienst Daniel Lohninger, Cornelia Letschka, NÖN-Redakteurin Nadja Straubinger und NÖN-Chefredakteur Martin Gebhart. Foto: Marschik  |  NOEN, Erich Marschik
„Als Mutter kann man sich nicht vorstellen, dass man sowas braucht, aber es ist bewundernswert, wenn man sich dafür zur Verfügung stellt“, so Jury-Mitglied Maria Forstner über die St. Pöltner Krisenpflegemutter Elisabeth Stoiber, die mit dem NÖN-Leopold für „Engagement“ ausgezeichnet wurde.

Stoiber springt vorübergehend ein, wenn Kinder ein neues Zuhause brauchen. Egal, ob sie nicht gewollt werden, sie missbraucht wurden oder verwahrlost sind, bei Stoiber finden die Kinder einen Ort, wo sie zur Ruhe kommen und neuen Mut schöpfen können.

Von der Tages- zur Krisenpflegemutter

Insgesamt 19 Kinder hat die St. Pöltnerin bisher betreut. „Das Alter variiert von einem Tag, da habe ich ein Kind direkt aus dem Spital geholt, bis zum Volksschulalter“, berichtet Stoiber.

Die Arbeit mit Kindern hat ihr immer Spaß gemacht. Sie war viele Jahre als Tagesmutter tätig und hat selbst fünf Kinder und drei Enkelkinder. Durch ihre Tätigkeit an Wochenenden im Mutter-Kind-Heim hatte Stoiber dann erfahren, dass es einen Mangel an Krisenpflegemüttern gibt: „Ich war gerade mit dem letzten Kind schwanger, als wir uns entschlossen haben, dass ich das mache.“

Das „wir“ betont Stoiber besonders, denn die ganze Familie muss unterstützen, sonst wäre diese Arbeit nicht möglich. „Man kann nicht 24 Stunden am Tag funktionieren, es ist wichtig, dass jeder mithilft“, so Stoiber. Wenn das Jugendamt ein neues Kind für Stoiber hat, muss sie oft rasch reagieren. „Manchmal weiß ich schon ein paar Tage Bescheid, manchmal muss ich aber innerhalb von Stunden bereit sein“, beschreibt Stoiber.

„Man kann nicht 24 Stunden am Tag
funktionieren, es ist wichtig, dass jeder
mithilft.“
Elisabeth Stoiber, Krisenpflegemutter

Wenn ein neues Kind kommt, dann sind besonders die ersten Wochen schwierig. „Es ist immer wieder spannend, denn jedes Kind ist anders und man muss einander erst kennenlernen“, erklärt die Krisenpflegemutter, die für ihre Arbeit auch schon mit dem Kalcher-Preis des St. Pöltner Lions-Club ausgezeichnet wurde.

Dann beginnt die Therapie, der Alltag stellt sich dann bald ein. Stoiber achtet auch darauf, dass die Kinder im gleichen Kindergarten oder der gleichen Volksschule bleiben können. Auch Elternbesuche sind möglich, da ist aber immer eine Sozialarbeiterin dabei. „Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt funktioniert für mich wirklich sehr gut“, lobt Stoiber.

Kinder leben im Familienverband

Die Kinder leben, so gut es geht, im Familienverband mit. Vorgabe ist, dass die Kinder maximal sechs Monate bei der Krisenpflegemutter bleiben. Zehn Monate war der längste Zeitraum, in dem sich die St. Pöltnerin um ein Pflegekind gekümmert hat. Wenn ein Urlaub in die Zeit fällt, dann kommt der „Familienzuwachs“ einfach mit.

„Das sind sehr schön Erlebnisse. Die Kinder sind im Urlaub wie ausgewechselt. Das Wegkommen bewirkt Wunder“, schmunzelt Stoiber.

Schwierig sei die Zeit des Abschieds. Aber: „Wenn der neue Platz gut ist, freuen wir uns. Ich brauche jedoch schon meine Zeit, um das zu verarbeiten, wenn der Kontakt sehr eng war“, so die St. Pöltnerin. Mit vielen ihrer Schützlinge hat sie, auch wenn sie neue Eltern gefunden haben, noch immer Kontakt. Sie bekommt Fotos und ab und zu gibt es Treffen.

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