Erstellt am 08. März 2016, 05:04

von Mario Kern

Fahrplan für die Zukunft. Stadt schafft Potenzial für Wachstum. Bis 2025 soll es 65.000 Hauptwohnsitzer geben.

Haben den aktuellen Stand des St. Pöltner Stadtentwicklungskonzept präsentiert: Hans Emrich und Martina Reisenbichler vom Raumplanungsbüro Emrich Consulting, Bürgermeister Matthias Stadler, sowie Jens de Buck und Andrea Wiener von der Stadtplanung.  |  NOEN, Wolfgang Mayer

Schon weit mehr interessierte St. Pöltner als beim letzten Bürgerinformationsabend zum Stadtentwicklungskonzept versammelten sich in der Vorwoche in der NDU-Halle am Glanzstoff-Areal. Das Planungsbüro Emrich Consulting und das Stadtplanungsbüro präsentierten dort den aktuellen Stand des Konzepts, mit dessen Erstellung vor vier Jahren begonnen worden war.

„Wir wollen zum Mittelpunkt des Landes werden"

Derzeit läuft für die Bereiche, die künftig umgewidmet werden könnten, die Strategische Umweltprüfung durch das Land. Noch bis 21. März können St. Pöltner das Konzept im Rathaus begutachten und ihre Stellungnahmen abgeben. Die sollen geprüft und nach Maßgabe eingeflochten werden.
 


Im Herbst wird das fertige Konzept dem Gemeinderat und dann dem Land zur Bewilligung vorgelegt. „Anfang 2017 soll der Prozess dann abgeschlossen, das Konzept rechtskräftig sein“, erklärt Stadtplaner Jens de Buck.
Dann beginnt ein neues Kapitel in der Entwicklung der Landeshauptstadt, das die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre andauern soll: Das neue Stadtentwicklungskonzept – das letzte wurde 1992 erstellt –  schafft die Grundlage für das künftige Wachstum der Stadt.

Die NÖN hat den Überblick über die wichtigsten Eckpfeiler des Konzepts:

  • An fünf Entwicklungsschwerpunkten soll St. Pölten dichter werden: In der Glanzstadt, in der „Elastic City“ auf den WWE-Gründen, auf dem ehemaligen Voith-Platz, der Salzer- Wiese und im Betriebsgebiet NÖ Central mit dem ÖBB-Areal Wörth. Bei Letzterem muss allerdings der östliche Teil des Areals noch Hochwasser-tauglich gemacht werden – dafür fehlen allerdings noch einige Teilflächen in Privatbesitz. In Summe ermöglichen diese neuralgischen Punkte Wachstum um gut 2.000 Wohnungen und mehr als 1.500 Arbeitsplätze.

  • In potenziellen Hochhaus-Zonen können künftig Bauten, die höher als 25 Meter sind, errichtet werden. Diese Zonen finden sich rund um den Traisenpark beziehungsweise nördlich der Glanzstoff, beim Universitätsklinikum, beim Hypo- Bauprojekt östlich des Sparkassenparks und um die AKNÖ-Landeszentrale sowie am Ex-Kopal-Kasernen-Areal und weiter nördlich sowie nordöstlich.

  • Möglichkeiten für Betriebsgebieterweiterungen schafft das Konzept beim Gewerbegebiet in Ratzersdorf, an der B1 westlich der Schanze sowie westlich des NÖ Central. Derzeit sind aber noch 170 Hektar Betriebsfläche in St. Pölten zu haben – ein Großteil im NÖ Central und im Betriebsgebiet Wörth.

  • Eine allgemeine Siedlungserweiterung wird südlich der Waldsiedlung in Spratzern ermöglicht. Die Stadtteile-Zentren sollen ab 2017 durch verschiedenste Impulse gestärkt werden.

  • Sollten die derzeit 370 Hektar unbebauten Wohnbau-Reserveflächen in St. Pölten (das ist ein Viertel der gesamten Wohnbaufläche) zur Neige gehen, werden dann Erweiterungsgebiete für Wohnbau Stück für Stück umgewidmet und vergeben. Diese Gebiete befinden sich rund um Ratzersdorf, in Radlberg, westlich des Stadtwaldes, südlich des NÖ Pressehauses, nördlich der Salzerwiese, westlich des Betriebsgebietes NÖ Central und im Südwesten St. Georgens.

Die Zielrichtung des Konzepts ist für Bürgermeister Matthias Stadler klar: Bis 2025 soll St. Pölten zwischen 60.000 und 65.000 Hauptwohnsitzer haben (derzeit: 53.720) und ebenso viele Beschäftige (aktuell: 55.000). Das Plus an Bewohnern soll durch die vielen in Umsetzung oder in Planung befindlichen Wohnprojekte gelingen – in den nächsten Jahren werden 4.900 Wohneinheiten entstehen. „Die Rechnung ist einfach: Mehr Wohnbau bedeutet mehr Einwohner“, so Stadler.

"Mehr Wohnbau bedeutet mehr Einwohner“

Im Kernbereich soll die Stadt nachverdichtet werden, um mehr Wohnraum zu schaffen –  die Stadtteile wiederum sollen durch gezielte touristische Angebote, Wohnungen, aber auch durch mehr Nahversorgung gestärkt werden.

Für noch mehr Lebensqualität sollen ökologisch wertvolle Flächen sowie Freizeit- und Nah-
erholungszonen gesichert und die Öffentlichen Verkehrsmittel ausgebaut werden. Zudem möchte Stadler St. Pöltens Entwicklung zur „Stadt der kurzen Wege“ forcieren.

„Wir wollen zum Mittelpunkt des Landes werden und Vorbild unter anderem in Sachen Gesundheit, Bildung und Kultur werden.“ Gerade in den Bereichen Wohnen, Erholung und Mobilität möchte sich die Stadt stärker profilieren und in den nächsten Jahren auch qualitativ wachsen.