Erstellt am 10. Mai 2016, 04:44

von Daniel Lohninger und Mario Kern

"Faymann hat viel für St. Pölten getan". Stadt-SP ist überrascht, zeigt aber Verständnis. Der Kanzler habe Milliarden nach St. Pölten gebracht, so die Bilanz.

 |  NOEN, APA (AFP)

Siebeneinhalb Jahre nach Amtsantritt trat Bundeskanzler Werner Faymann am Montag zurück. In der St. Pöltner SP zeigt man sich überrascht, äußert aber auch Verständnis für den Schritt.

„Wenn man so viel für dieses Land geleistet hat und sich dann mit Diskussionen auf dem Niveau der vergangenen Tage herumschlagen muss, dann verstehe ich Werners Entscheidung“, meint Stadtrat und SP-Landesgeschäftsführer Robert Laimer. St. Pölten habe von der Ära Faymann in vielerlei Hinsicht profitiert. Vor allem die Milliarden-Investitionen in die Infrastruktur würden Faymanns Handschrift tragen – beispielsweise die Güterzug-Umfahrung, der Bahnhofs-Umbau sowie der ÖBB-Bildungscampus, aber auch der Lup-Stadtbus.

„Ich habe größten Respekt vor dem Schritt von Werner Faymann“

Stadtchef Matthias Stadler erlebte den Rücktritt vor Ort im Bundeskanzleramt mit. „Ich habe größten Respekt vor dem Schritt von Werner Faymann“, betont er. Wichtig sei, dass die SPÖ jetzt die Chance nutze und die Weichen in die richtige Richtung stelle. „Diesbezüglich wird eine Meinungsbildung auf breiter Ebene notwendig sein“, legt sich Stadler fest. Dass die Niederösterreicher als größte Landesorganisation bis zuletzt an Faymann festgehalten haben, sieht Stadler nicht als Fehler: „Nur den Kopf an der Spitze auszuwechseln, ist zu wenig. Wir brauchen eine klare Richtungsentscheidung und Neuausrichtung.“ Dass er selbst als Faymann-Nachfolger zur Verfügung steht, schließt er aus: „Ich bleibe in St. Pölten. Das habe ich vor der Wahl versprochen, das gilt auch jetzt.“

„Ich halte ihn für einen sehr guten Kanzler und Regierungschef.“ 

Überrascht von Faymanns Rücktritt zeigt sich Nationalratsabgeordneter Anton Heinzl: „Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass er als Parteivorsitzender die Sitzung wieder verlässt.“ Um Faymann tue es ihm „schrecklich leid“, da er seit der gemeinsamen Zeit als Jugendfunktionär ein persönlicher Freund sei, betont Heinzl. „Ich halte ihn überdies für einen sehr guten Kanzler und Regierungschef.“ Gerade der Zentralraum und die Stadt hätten von Faymanns Regierungstätigkeit stark profitiert, betont auch der SP-Bundesverkehrssprecher. „Ich habe bei Werner immer ein offenes Ohr für die Anliegen der St. Pöltner gefunden“, bedauert Heinzl das Polit-Aus des Kanzlers.