St. Pölten

Erstellt am 21. Mai 2017, 10:23

von APA Red

Maori-Mythen: "Standing In Time" . Rituelle Zeremonien in dunkler Archaik: "Standing In Time" von Lemi Ponifasio ist am Samstagabend als Auftragswerk des Festspielhauses in St. Pölten durch die aus jungen Maori-Frauen bestehende Compagnie MAU Wahine uraufgeführt worden.

MAU

Mythologische Inhalte in enigmatischer Bildhaftigkeit verfehlten ihre Wirkung auf das Publikum offenbar nicht.

Schwarze Bühne, von Leuchtstäben erhellt, ein Steinhaufen. Wie dumpfes Motorengeräusch eines Flugzeugs in tiefen Frequenzen wabert ein akustischer Dauercluster, über den die Mitwirkenden - gelegentlich polyphone - vokale Linien legen. Die Reise selbst erfolgt größtenteils in zeitlupenförmigen Bewegungen: ein für Ponifasio typisches Stilelement.

Die erste Viertelstunde lang passiert wenig. Schwarzgewandete Frauen stimmen eine monotone Litanei an. Langsam, sehr langsam entstehen Abläufe, werden die Steine umgeschichtet, wird ein Podest verschoben. Dann wiederum brüllt eine Frau minutenlang wütend ins Publikum. Durchaus effektvoll: der Einsatz weißer Kampfkunstbälle als Rhythmusinstrumente. Später wird eine andere Frau entkleidet, sie steht lange nackt auf dem Podest, auf das sie dann gebettet wird, mit einem weißen Laken bedeckt, zuletzt die Beine spreizend. Lange richten sich auch die Scheinwerfer ins Publikum, auf die unweigerlich in die Voyeursrolle geratenen Zuseher.

"Wenn Sie verstehen wollen, müssen Sie zur Schule gehen. Das Theater ist keine Schule": Nicht allzu auskunftsfreudig hatte sich Ponifasio im Vorgespräch gezeigt. Es gehe um die Ruinen der Geschichte, steht im Programmheft zu lesen, um die Suche nach Gerechtigkeit und um den Mythos von Hine Nui Te Po. Ein Text der syrischen Autorin Rasha Abbas wurde in die Kompositionen integriert. Dies alles adäquat auszuloten wird nicht allen Zuschauern beschieden gewesen sein. Doch letztlich überwog die Intensität der passagenweise poetischen, eindringlichen Kraft der suggerierten Imagination.