Erstellt am 15. Februar 2016, 11:14

von Inge Moser und Birgit Kindler

Flüchtlings-Helfer sind erbost. Nachdem die jungen Asylwerber aus Wilhelmsburg abgeholt wurden, steigen jene Menschen auf die Barrikaden, die sich für die minderjährigen Jugendlichen einsetzen.

Die freiwilligen Helfer vor dem jetzt leeren Schutzhaus: Familie Higer mit Bernhard, Christiana und den Söhnen Jakob und Simon, Franziska und Jutta Strobl, Herta Moser, Grete Hirn, Gabriele Mitterbauer, Elisabeth Steinperl, Susanne Helmreich, Angela Lechner und Helmut Eigner. Foto: Moser  |  NOEN, Inge Moser

Darüber, dass die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge nicht mehr in Wilhelmsburg leben, zeigen sich die freiwilligen Helfer verärgert und traurig (die NÖN berichtete). Sie haben sich mit viel Kraft für die Integration der Jugendlichen eingesetzt.

„Jugendliche herumgeschoben wie Bananenschachteln“

„Es war wie eine ‚Deportation‘, als die jungen Asylwerber mit ihren wenigen Habseligkeiten am Hauptplatz abgeholt wurden“, so Psychotherapeutin Elisabeth Steinperl. Enttäuscht ist auch Pädagoge Georg Grassberger, der die Flüchtlinge betreute: „Mir tut es sehr leid, ich habe viel Energie in diese Idee hineingesteckt.“

Matthias Steinperl und Bernhard Higer setzten sich ebenfalls sehr für die Flüchtlinge ein, sie gründeten sogar den Verein Freikulturkörper, dessen Einnahmen den Jugendlichen zugute kamen. Die beiden sind entsetzt darüber, „dass Jugendliche herumgeschoben werden wie Bananenschachteln.“

Die Helfer sind auch verärgert, weil sie niemand vorab informiert hat. Quartiergeberin und Wirtin Petra Bertl vermutet, dass die Vorgehensweise geplant war und meint: „Die Burschen waren immer nett, es gab keine Probleme.“

Zum Faschingsumzug durften die Jugendlichen wieder nach Wilhelmsburg kommen. Die Burschen waren sich einig: „Wir möchten wieder zurück – nach Hause.“ Da sie keinen Schulwechsel wollten, müssen die Jugendlichen bereits um 5.40 Uhr mit dem Bus von Mistelbach in die HAK St. Pölten fahren, um 7.32 Uhr kommen sie an. Bürgermeister Rudolf Ameisbichler betont: „Wir werden etwas tun.“ Im Hintergrund soll an einer Lösung gearbeitet werden.

Landesrat will Gespräch zur Personallage führen

Christian Kogler, Geschäftsführer von slc Asylcare, betont zur Situation: „Mir tut es leid, dass wir Menschen vor den Kopf gestoßen haben, aber hätten wir dieses Vorhaben mit einer längeren Vorbereitungszeit umgesetzt, wäre genauso Kritik gekommen.“ In einer größeren Gruppe sei es aber leichter, die Jugendlichen zu betreuen, vor allem, wenn es zu einem Personalengpass komme.

Ein Gespräch zum Thema Personal will Landesrat Maurice Androsch mit slc führen. Dabei soll auch zur Sprache kommen, wie auf einen Personalausfall, der in Wilhelmsburg das Projekt zu Fall brachte, in Hinkunft reagiert wird. „Unabhängig davon werden wir für Fälle dieser Art ein Konzept erarbeiten, wie eine überraschende Änderung in der Betreuung kommuniziert werden muss.“

Den Unmut der Helfer versteht Androsch: „Es war auch unser Anliegen, die Minderjährigen bevorzugt im näheren Umfeld unterzubringen, es standen jedoch keine Plätze zur Verfügung.“

Wie es den Asylwerbern in ihrer neuen Unterkunft bislang ergangen ist, lest ihr hier: