Erstellt am 22. Juni 2016, 06:05

von Manuela Mayerhofer

"Freibad ist eine Frage der Finanzierbarkeit". In den nächsten Tagen wird der Gemeinderat den Initiativantrag zum Freibad für eine Volksbefragung behandeln.

Die Gemeinde habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, so Bürgermeister Werner Schmitzer.  |  NOEN, NÖN

Die NÖN sprach vor der Gemeinderatssitzung im Exklusivinterview mit Bürgermeister Werner Schmitzer.

NÖN: In der Bevölkerung herrscht die Meinung, dass Sie persönlich die Schließung des Freibads wollen. Was sagen Sie dazu?
Werner Schmitzer: Dass das Freibad alle wollen ist unbestritten. Es ist aber keine Frage des Wollens, sondern der Leistbarkeit. Es ist auch nicht alleine meine Entscheidung, sondern eine, die gemeinsam im Gemeinderat getroffen worden ist. Als Bürgermeister muss ich jede einzelne Entscheidung auch wirtschaftlich vertreten können.

Was war maßgeblich für die Entscheidung des Gemeinderats?
Das waren vor allem die mittelfristigen Aufwendungen, die auf die Gemeinde zukommen. Das beginnt beim Grundsatzbeschluss, allen zweieinhalbjährigen Kindern in der Gemeinde den Besuch des Kindergartens zu ermöglichen. Es wurde eine sechste Gruppe installiert, und wenn die Zahlen weitersteigen, werden wir an einem Zubau beim Landeskindergarten nicht vorbei kommen. Beim Friedhof steht eine Sanierung an, die Barrierefreiheit bei unseren Schulen, um nur einige zu nennen. Das Bad wäre für die Gemeinde zusätzlich nicht finanzierbar. Ein weiteres Kriterium war, dass trotz des Zuzugs die Besucherzahlen im Bad stark rückläufig sind.

In den Diskussionen um den Erhalt des Freibads kommt immer wieder der Vergleich mit dem Fußballstadion. „Dafür war Geld da, für das Bad gibt es keines“. Wie sieht es damit aus?
Für die Errichtung des neuen Sportplatzes gab es eine beträchtliche Förderung vom Land, für das Freibad gibt es hingegen keinen Cent an Fördermitteln. Und der SC Schaubach Pyhra zahlt jährlich Miete für die Nutzung der Anlage. Beim Freibad haben wir, abgesehen von den Sanierungskosten, einen jährlichen Abgang von 50.000 Euro. Die Sportanlage ist fast das ganze Jahr über in Betrieb – das Bad, wenn es hoch kommt, 50 Tage im Jahr.

Gibt es eine Alternative zur Schließung des Freibads?
Nein, es sei denn es findet sich ein Sponsor, der die Sanierungskosten übernimmt. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und mehrere Varianten samt Kostenschätzung erstellen lassen. 870.000 Euro ist die Minimalvariante, um den  Betrieb des Bades für sieben bis zehn Jahre zu gewährleisten. Inkludiert sind darin die Sanierung der Gebäude und die Erfüllung der behördlichen Auflagen. Wir können keine Attraktivierung vornehmen, denn dann würde die Anlage in die neue Bäderverordnung fallen und das würde die Kosten weiter erhöhen. 

Wie geht es jetzt unmittelbar weiter mit dem Freibad?
In der nächsten Sitzung wird sich der Gemeinderat mit dem Initiativantrag der Bürgerinitiative „Pro Freibad“ und der angestrebten Volksbefragung befassen. Danach werden wir die entsprechenden Schritte in die Wege leiten.