Erstellt am 09. April 2016, 10:04

von Beate Steiner

Freie Fahrt für Bergradler. Naturfreunde wollen zeitgemäße Regeln aufstellen für legales Mountainbikenauf Forststraßen und dabei Rücksicht auf die Natur nehmen. Jägerschaft ist dagegen.

Rad-Lobbyisten: Weinburgs Bürgermeister Peter Kalteis, Landtagsabgeordnete Karin Scheele und Naturfreunde-Obmann Ernst Dullnigg. Herbert Käfer  |  NOEN, Herbert Käfer

 „I foa auf mei Gfoa“ – mit dem T-Shirt-Statement erklärt Naturfreunde-Vorsitzender und Landtagsabgeordnete Karin Scheele eine der Regeln für Mountainbiker: „Wir fordern die Öffnung der Forststraßen, allerdings unter Einhaltung von Fairplayregeln“, sagt Scheele. Das heißt: Radler fahren auf eigenes Risiko, nur auf Forststraßen und nicht über Stock und Stein, nicht in der Dämmerung und nicht in der Nacht.

Unterstützung hat die Kampagne der Naturfreunde auch vom Alpenverein und von zahlreichen niederösterreichischen Bürgermeistern, die im rasch wachsenden Rad- und Mountainbike-Tourismus eine große Chance für viele Regionen in den Alpen sehen. „Im vergangenen Jahr sind rund 800 geländetaugliche Fahrräder auf die Straßen und Wege in der Region
St. Pölten gekommen“, weiß Weinburgs Bürgermeister Peter Kalteis, „wir sollten diesen Bikern die Möglichkeit geben, dass sie ihren Freizeitaktivitäten legal nachgehen können und dafür nicht ins benachbarte Ausland abwandern müssen.“

Vorbild der Naturfreunde ist Bayern: „Da läuft das Miteinander auf den Forststraßen ganz harmonisch ab, auch mit den Forstarbeitern und Waldbesitzern und es ist in der Landesverfassung verankert“, so Kalteis.

Klare Signale des Landes Niederösterreich zur Änderung des Forstgesetzes aus dem Jahr 1975 erwartet sich Karin Scheele: „Das sollte sich dann auf Bundesebene auswirken, für ein legales Radfahren auf Forststraßen.“

„Biker beunruhigen Lebensräume"

Die Jägerschaft kann sich mit der freien Fahrt für Bergradler nicht anfreunden: „Die generelle Öffnung der Forststraßen zum Radfahren ist abzulehnen“, sagt Bezirksjägermeister Johannes Schiesser, „der Schutz der Natur verträgt keinen generellen Mountainbiker-Verkehr auf Forststraßen.“ Denn der ständig steigende Freizeitdruck auf den Wald habe die Lebensräume der Tiere bereits stark eingeschränkt. „75 Prozent der Österreicher betrachten das Wege- und Routennetz für ausreichend, 87 Prozent sind der Meinung, dass Mountainbiken nur auf eigens dafür gekennzeichneten Routen erlaubt sein soll. Das belegt eine Umfrage im Lauf der Landwirtschaftskammer“, so Schiesser, und: „Mountainbike-Routen sind im Interesse des Naturschutzes und der wildökologischen Erfordernisse zu prüfen und durch vertragliche Lösungen zu entscheiden.“