Erstellt am 29. Dezember 2016, 17:08

von Gila Wohlmann

„Schießerei“ beim Radweg - Treibjagd verunsicherte Mann. Mann traf auf Bewaffnete. Es waren aber „nur“ Jäger. „Dieser Mann hat keine Ahnung von  der rechtlichen Situation im Rahmen des Jagdbetriebes“, meint Walter Fuchs.

Alexander Jung zeigt auf die Stelle, wo laut seinen Angaben, in seiner unmittelbaren Nähe geschossen wurde.  |  privat

Kein Verständnis für die Kritik von Alexander Jung hat der Hegeringleiter des Oberen Perschlingtales, mit dem es am Donnerstagvormittag im Rahmen der bei Furth abgehaltenen Treibjagd zu einer Verbalkonfrontation kam.

"Kein Hinweis auf Kugelflug"

„Es wurde in meiner unmittelbaren Nähe von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Die Schussrichtung war meiner Einschätzung nach direkt auf den, auf der gegenüberliegenden Seite des Michelbach befindlichen, Radweg gerichtet“, grollt Alexander Jung.

Der Professor für Informatik war am Donnerstag gegen 11 Uhr in Begleitung seiner Partnerin beim Radweg zwischen Böheimkirchen und Furth unterwegs. „Ich bin hier mehr als fünf bewaffneten Männern begegnet“, schildert er und ärgert sich: „ Auf dem besagten Radweg, den ich auch gerne mit meinen drei kleinen Kindern benutze, konnte ich keinen Hinweis auf bevorstehenden Kugelflug finden.“

Hegeringleiter Walter Fuchs  |  privat

In einem Schreiben , welches auch an Bürgermeister Johann Hell erging,  richtet er die Frage, inwieweit diese Form des Schusswaffengebrauchs bei einem öffentlichen Radweg legal ist, erwähnt aber nicht, dass es Jäger waren. Bürgermeister Johann Hell ist daher leicht verwundert, dass im Schreiben nicht dezidiert die Weidmänner erwähnt sind, da  man so falsche Rückschlüsse machen könnte, lässt aber, nachdem er von der NÖN auf die Jäger-Konfrontation hingewiesen wurde,  wissen: „Ich hatte keine Information über eine Treibjagd. Das ist aber generell so, dass wir davon nicht zwingend in Kenntnis gesetzt werden.“

Meldung nicht gesetzlich verpflichtend

Er merkt aber an: „Sollte sich Herr Jung bedroht gefühlt haben, tut mir dies persönlich natürlich sehr leid.  Wenn der Betroffene aber das Gefühl hat, dass es seitens der Weidmänner zu einem Fehlverhalten gekommen sei, „sei aber die Polizei und nicht die Gemeinde erster Ansprechpartner“, so Hell.

Auch Bezirksjägermeister Johannes Schiesser lässt wissen, dass von Mitte Oktober bis Jahresende Treibjagdsaison auf Niederwild ist und erklärt, „dass Jäger gesetzlich nicht verpflichtet sind, dies zu melden. Es erfolge aber immer wieder freiwillig eine Meldung an die Exekutive, um sich so Rückfragen zu ersparen.“

Alexander Jung ließ in einem weiteren Schreiben unter anderem wissen: „Als Realist werde ich von einer strafrechtlichen Verfolgung dieses aus meiner Sicht fahrlässigen Umgangs mit Schusswaffen absehen. Am Ende wird meine Aussage gegen die des Jagdleiters stehen.“ Sein Ziel sei ein Umdenken im Umgang mit der ,Tradition‘ des Waffengebrauchs im ländlichen Raum.

"Kein Gefährdungssituation für Spaziergänger"

Hegeringleiter Walter Fuchs untermauert zum Vorfall: „ Wir haben den Herren dezidiert auf die Treibjagd hingewiesen und ihn gebeten, stehen zu bleiben, doch er hat nicht reagiert.“ Dass geschossen wurde, bestätigt er, betont aber, „dass es dadurch zu keiner Gefährdungssituation für die besagten Spaziergänger gekommen sei, da nicht in ihre Richtung, sondern auf die aus dem Wasser auffliegenden Enten geschossen wurde.“

Was ihn auch ärgert ist, dass der besagte Spaziergänger ihn aufgefordert hätte, den Hund an die Leine zu nehmen. „Einen Jagdhund im Jagdbetrieb an der Leine zu halten, ist widersinnig, wenn er die Beute aus dem Wasser holen soll.“ Dieser Herr poche, meint er,  nur auf sein Recht als Spaziergänger. Abschließend ätzt er: „Wenn ich ausspreche, was ich mir zum Verhalten des Mannes denke, liegt der Tatbestand der Beleidigung vor.“ Der Jagdkritiker könne aber beruhigt sein: „Es gibt in nächster Zeit hier keine weitere Treibjagd, aber nicht wegen ihm, sondern, weil die Saison vorbei ist.“

"Sicherheit hat oberste Priorität"

„Ob Kinder auf einem Feldweg, Radfahrer auf einem Radweg oder Schwammerlsucher im Wald. Sicherheit hat immer oberste Priorität und auf die achten wir genauestens. Offenbar ist Herr Jung ein Mensch, der meint, die alleinige Wahrheit für sich gepachtet zu haben.“, merkt Fuchs an.