Erstellt am 02. Februar 2016, 05:18

von Birgit Kindler und Inge Moser

Gasthaus Bertl: Flüchtlinge kommen weg. Weil der Betreuungsaufwand für die zwölf Asylwerber im Hinterhaus des Gasthauses Bertl zu groß war, werden sie in einer anderen Einrichtung untergebracht. Bürgermeister ist entsetzt.

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Sieben Monate haben unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Hinterhaus des Gasthauses Bertl eine Unterkunft gefunden und sich in der Stadt gut eingelebt. Jetzt werden die syrischen Burschen weggebracht, wie Christian Kogler, Geschäftsführer von slc Asylcare, bestätigt. „Ja, es stimmt, die Flüchtlinge werden woanders untergebracht, auch die Schulen müssen gewechselt werden.“

Grund für die Entscheidung, die man gemeinsam mit dem Land getroffen habe, sei der Personalaufwand bei der Betreuung für die zwölf Flüchtlinge gewesen. „Es war schwierig vom Personal her, die Burschen kommen jetzt alle gemeinsam in ein größeres Quartier“, informiert Kogler.

„Das ist eine Wahnsinnstat"

Entsetzt und erbost über diese Maßnahme ist Bürgermeister Rudolf Ameisbichler: „Das ist eine Wahnsinnstat, die Burschen haben sich hier verwurzelt und jetzt werden sie weggebracht, in eine Caritas-Einrichtung nach Mistelbach.“

Man habe hier eine gute Struktur aufgebaut, die man jetzt zerstören wolle. Außerdem habe man zu Beginn ein Betreuungskonzept ausgearbeitet. „Und das soll jetzt nicht mehr funktionieren?“, fragt sich der Bürgermeister. „Es kotzt mich an, dass man für Menschen nichts mehr über hat und nur auf Profit aus ist.“ Erbost über die Maßnahme ist auch Matthias Steinperl, der sich für die Burschen eingesetzt hat: „Sie werden aus allem herausgerissen, was ihnen Freude gemacht hat.“

Laut Kogler soll das Flüchtlingsquartier beim Gasthaus Bertl bestehen bleiben. „Statt der Jugendlichen werden Erwachsene untergebracht. Da ist die Betreuung nicht so intensiv.“ Ameisbichler dazu: „Wir hätten Familien zusätzlich aufgenommen. Wir haben mit allen Parteien einen Konsens gefunden und sind bereit, unsere Quote zu erfüllen.“