Erstellt am 01. Juni 2016, 04:05

von Mario Kern

Grabungen Domplatz: Viertel fehlt noch. 4.220 Quadratmeter sind am Platz bereits bearbeitet. Gearbeitet wird auch an weiteren Standorten.

Stadtarchäologe Ronald Risy vor der mittelalterlichen Kapelle. Die untere Etage des Kirchenraumes diente als Beinkammer.  |  NOEN, Mario Kern

Während die Gespräche zur Neugestaltung des Domplatzes ab 2018 voll im Gange sind, wird dort weiterhin gegraben. „Und das nach heutigem Stand auch noch in zwei Jahren“, erklärt Stadtarchäologe Ronald Risy, dass die ersten Arbeiten parallel zu den letzten Grabungsaktivitäten ablaufen könnten. „Wir sollten aber im Laufe des Jahres fertig werden.“

Noch fehlen 1.480 von insgesamt 5.700 Quadratmetern, die archäologisch untersucht und aufbereitet werden müssen: In diesem Jahr sind noch 215 Quadratmeter beim Kebapstand im Norden und gut 100 Quadratmeter im Süden an der Reihe.

x  |  NOEN, privat

2017 sollen planmäßig 100 Quadratmeter im Südosten sowie eine 1.000 Quadratmeter große Fläche vor dem Domportal aufgegraben werden. „Danach wird sich weisen, ob für die Platzgestaltung noch an manchen Stellen tiefer gegraben werden muss“, informiert Risy.

Im Südwesten Grundriss der " Doppelkapelle"

Derzeit wird im Südwesten des Platzes gearbeitet: Vor dem Zugang zum Herrenplatz wurde Mitte April bereits das 10.000 Skelett freigelegt. Der Jubiläumsfund dürfte ein Priester gewesen sein. „Mittlerweile sind wir bei etwa 10.400.“ Risy schätzt, dass die Archäologen mit Beendigung ihrer Arbeiten 2018 insgesamt 15.000 Individuen entdeckt haben werden.

Im Südwesten haben Risy und sein 20-köpfiges Team den kompletten Grundriss der sogenannten „Doppelkapelle“ freigelegt: Direkt an den Mauern einer romanischen Rundkapelle – erstmals 1179 erwähnt –  wurde eine gotische, polygonförmige Kapelle errichtet.

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Das Untergeschoß war als Karner verwendet worden, bis die Doppelkapelle im 18. Jahrhundert abgetragen wurde. An dieser Stelle wurden auch die Gebeine des Priesters gefunden. Abseits zahlreicher ehemaliger St. Pöltner haben die Archäologie-Experten auch Fliesen, Rosenkränze, Perlen und Kerzenständer aus dem 16. Jahrhundert freigepinselt.

Hamsterfallen nördlich des Bahnhofes 

Der dritte Standort ist in der Alten Hofmühlgasse in Pottenbrunn: Hier wird ein 20.000 Quadratmeter großes Areal, das die Stadt verkaufen will, untersucht.

„Es gibt Verfärbungen im Boden, aber wenig Fundmaterial“, erzählt Ronald Risy. Die gefundenen Scherben seien zeitlich noch schwer zuordenbar. Die Arbeiten werden noch rund einen Monat andauern.

Ausstellungskonzept ins Weinviertel exportiert

Stolz ist Stadtarchäologe Risy auf den Export des Konzepts für die Archäologie-Schau „news from the past“, die 2014 und 2015 im Stadtmuseum zu sehen war. Aufbereitung und Ausstellungsdesign haben Risy und
die „no-mad-designers“ ins MAMUZ Schloss in Asparn an der Zaya exportiert.

Die dortige Ausstellung haben die St. Pöltner entscheidend mitgestaltet. „Mich freut sehr, dass das Konzept so gut aufgenommen wird und wir die ‚news‘ fortsetzen können. Gut möglich, dass da bundesweit noch Museen aufspringen“, so Risy.