St. Pölten

Erstellt am 07. Dezember 2017, 05:44

von Daniel Lohninger

Ab Sonntag umfahren Güterzüge die City. Neue Umfahrungsstrecke bringt weniger Lärm beim Hauptbahnhof und Kapazität für zusätzliche Personenzüge.

Gaben "Grünes Licht" für die neue Strecke: EU-Vertreter Andreas Boschen, Landesrat Franz Schnabl, Bürgermeister Matthias Stadler, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä (von links nach rechts).  |  NLK Reinberger

Am kommenden Sonntag ist es mit der Umstellung auf den neuen Fahrplan soweit: Der Bahn-Transitverkehr auf der Ost-West-Achse wird erstmals über die neue Güterzugumfahrung (GZU) in einem 24,7 Kilometer langen Bogen um das St. Pöltner Stadtzentrum herum geführt. Nur mehr Ziel- und Quellverkehr sowie Güterzüge in Richtung Krems passieren den St. Pöltner Hauptbahnhof.

Steigerung der Lebensqualität in der Innenstadt

Für die St. Pöltner bringe das ein sattes Plus an Lebensqualität, betonte Bürgermeister Matthias Stadler (SP) bei der offiziellen Inbetriebnahme. Er unterstrich zudem, dass sich durch die Entlastung des innerstädtischen Schienennetzes neue Möglichkeiten für den Ausbau des Nahverkehrs auf der Bahn ergeben. Bislang scheiterten Pläne für eine St. Pöltner S-Bahn nicht zuletzt daran, dass es keine freien Kapazitäten für zusätzliche Züge in St. Pölten gab. Das ist künftig anders, wie auch ÖBB-Holding-Vorstandsdirektor Andreas Matthä ausführte: „Mit der GZU treten wir in eine neue Zeitrechnung ein.“ Er kündigte für die nächsten Jahre einen Ausbau des Personenzug-Angebotes auf der Westachse sowie innerhalb der Stadt an. Zudem könnten die ÖBB jetzt auch die Bemühungen verstärken, die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene noch weiter zu forcieren.

Bahnstrecke durchgehend viergleisig

Mit der GZU wird zudem das letzte Nadelöhr zwischen Linz und Wien beseitigt – die Bahnstrecke ist künftig durchgehend viergleisig. Und die St. Pöltner Güterzugumfahrung ist auch die erste Strecke in Österreich, die dank des Zugsicherungssystems ETCS Level 2 komplett ohne Lichtsignale auskommt.

An die langen Vorarbeiten am 730-Millionen-Euro-Projekt erinnerte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (VP). 1991 wurde mit der Planung begonnen, 1999 mit den Arbeiten. „Es ist ein Jahrhundertprojekt von regionaler, nationaler und europäischer Bedeutung“, unterstrich Mikl-Leitner die Bedeutung des Streckenabschnitts, der Teil des Rhein-Donau-Korridors ist. Nicht zuletzt deshalb flossen 27 Millionen Euro an EU-Fördergeldern in die Errichtung der Güterzugumfahrung.