Erstellt am 01. Dezember 2015, 05:38

von Mario Kern

GZU: Zwei Jahre. Exklusive NÖN-Besichtigung / Arbeiten für Strecke liegen im Zeitplan. BEZIRK ST. PÖLTEN / Genau in zwei Jahren – zum Fahrplanwechsel 2017  – soll die Güterzugumfahrung (GZU) in Betrieb gehen.

 |  NOEN, Mario Kern

Genau in zwei Jahren – zum Fahrplanwechsel 2017 – soll die Güterzugumfahrung (GZU) in Betrieb gehen. Dann soll die 24,7 Kilometer lange Strecke den Hauptbahnhof entlasten: Güterzüge werden künftig am Knoten Wagram im Osten St. Pöltens in die 804 Millionen Euro teure GZU abzweigen und über den Süden der Stadt – durch Spratzern und Pummersdorf – am Knoten Rohr wieder in die Westbahnstrecke münden.


Damit wird die Weststrecke von Wien bis Wels durchgängig viergleisig: Ab Ende 2017 führen zwei Gleise Personenzüge durch den Bahnhof, die anderen zwei Gleise den Güterverkehr über den Süden. Und leistungsstärker: In Zukunft können dank der GZU auf beiden Teilstrecken mehr Züge geführt werden.

„Einzelne Bereiche sind ihrer Zeit voraus, aber das Endziel wird in Gänze von allen eingehalten.“  Projektkoordinator Gernot Scheuch

Auf der Güterzugumfahrung werden künftig täglich 200 Züge verkehren. Allerdings nicht sofort – das Programm ist auf 2025 angelegt. Auch die mögliche Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern ist vorerst nur theoretisch: „Derzeit fahren Güterzüge um die 100 Stundenkilometer“, weiß Gernot Scheuch, Projektkoordinator des GZU-Abschnittes West.

Zeitplan wird eingehalten

Den Zeitplan können die Koordinatoren und beteiligten Baufirmen einhalten, betont Scheuch: „Einzelne Bereiche sind ihrer Zeit voraus, aber das Endziel wird in Gänze von allen eingehalten.“ Das ist unter anderem einer flexiblen Arbeitsweise zu verdanken: Bei der exklusiven NÖN-Besichtigung der GZU hatte der erste Schneefall des Jahres Arbeiten im Freilandbereich vereitelt – die Arbeiter wechselten spontan in den Radleitentunnel, um dort am Gleiskörper weiterzuarbeiten.

  • Der Abschnitt Ost mit dem Knoten ist grundsätzlich seit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Wien – St. Pölten 2012 fertig (die NÖN berichtete). 2015 wurden Oberleitungen montiert, 2017 wird der Knoten an die GZU angebunden.

 

  • Der Abschnitt Mitte führt von Oberwagram bis nach Poppendorf. Der Rohbau wurde in diesem Jahr abgeschlossen, die Gleiskörper wurden im Juni fertig verlegt. Im 3,5 Kilometer langen Pummersdorfer Tunnel, dem Herzstück der GZU, werden derzeit die Zwischenräume zwischen Gleisen und Randwegen mit Filterbeton aufgefüllt. „So kann Drainagenwasser durchsickern, wird unterhalb abgeleitet und fließt bis zum Ende des Tunnels“, erklärt Thomas Moser, Projektkoordinator des Abschnittes Mitte.

Derzeit werden in filigraner Feinstarbeit Befahrbarkeitsplatten zwischen und neben den Gleisen verlegt – sie ermöglichen ab 2017, dass die St. Pöltner Feuerwehren mit Einsatzfahrzeugen in den Tunnel vorrücken können. Unter den Platten befindet sich auch die Löschwasser-Leitung für Brandeinsätze. Die Betonarbeiten im Tunnel sollen Mitte Dezember abgeschlossen sein. Im Februar und März sollen alle Arbeiten an der Oberleitung fertig werden.

"Sonderlösung zum Wohle der Bevölkerung“

Der Tunnel weist eine weitere Besonderheit auf: Südlich der Katastralgemeinde ist unter dem Gleiskörper ein Masse-Federungssystem eingebaut. Damit wird die Erschütterung durch den Verkehr nicht über das Gebirge auf Pummersdorf übertragen. „Das ist eine Sonderlösung zum Wohle der Bevölkerung“, betont Moser.
m Der Knoten Rohr im Abschnitt West ist seit dem Sommer fertig. Die restliche Strecke steht im Rohbau. Im Bründlkappellentunnel bei Groß Sierning in der Radleitenwanne und im Radleitentunnel beim Haindorf sowie weiter östlich werden aktuell Gleiskörper und Schienen verlegt. Diese Arbeiten sollen im Frühjahr abgeschlossen sein. Danach wird auf der Strecke die Oberleitung in Angriff genommen. Im Herbst 2016 werden dann auf dem westlichen Abschnitt bis ins Jahr 2017 die Weichen eingebaut.