Erstellt am 05. Januar 2016, 05:08

von Daniel Lohninger

Hauptstadt seit 30 Jahren. Jubiläumsjahr / 1986 wurde St. Pölten auch das politische Zentrum Niederösterreichs.Die NÖN begleitet die Feierlichkeiten mit einer großen Serie in Zusammenarbeit mit der Stadt. ST. PÖLTEN / Angefangen hat alles bereits 1920.

Eines der Plakate, mit denen der damalige Bürgermeister Willi Gruber für St. Pölten als Landeshauptstadt warb.  |  NOEN, Archiv

Angefangen hat alles bereits 1920.Damals wurde Wien Bundesland, Niederösterreich damit einziges Land mit einer Hauptstadt, die nicht auf eigenem Territorium lag. Ständig wiederkehrende Hauptstadt-Diskussionen waren die Folge: Die Nazis machten Krems zur Hauptstadt des Gaus Niederdonau, in den 1960er-Jahren kam erstmals St. Pölten ins Spiel.

45 Prozent für St. Pölten

Es dauerte dann aber bis 1986, bis die Traisenmetropole tatsächlich zur Hauptstadt der Niederösterreicher geworden ist. Bei der von Landeshauptmann Siegfried Ludwig angesetzten Volksbefragung sprachen sich 45 Prozent der Landsleute damals für St. Pölten aus, Krems, Baden, Tulln und Wiener Neustadt hatten klar das Nachsehen.

Seit damals ist viel passiert. „St. Pölten ist in nur 30 Jahren eine vollwertige Landeshauptstadt geworden“, bilanziert Bürgermeister Matthias Stadler (SP). Kaum jemand stelle heute noch die Frage, ob es richtig war, St. Pölten zur Hauptstadt und zum Regierungssitz zu machen.

Die Fakten bestätigen Stadlers Einschätzung. Die Zahl der Hauptwohnsitzer stieg um gut 4.000, die Zahl der Arbeitsplätze in der Stadt verdoppelte sich – trotz Glanzstoff-Endes. Waren 1986 weniger als 27.000 Arbeitnehmer in St. Pölten beschäftigt, sind es heute über 55.000. Die Zahl der Betriebe kletterte von 2.100 auf 3.475. Das Amt der NÖ Landesregierung ist zwar mit 2.800 Mitarbeitern neben dem Universitätsklinikum der größte Arbeitgeber der Stadt, entscheidender für das Job-Wachstum waren aber andere. Parallel zu Ansiedelung fast aller landesrelevanten Institutionen hat sich vor allem die Privatwirtschaft enorm entwickelt.

„St. Pölten ist heute das pulsierende Herz inmitten des Bundeslandes.“ Matthias Stadler, Bürgermeister von St. Pölten

Waren die ersten Hauptstadt-Jahre begleitet von einer Immobilien-Blase, die bald platzte, so ist spätestens seit Eröffnung der schnellen Westbahnstrecke ein neuer Bau-Boom ausgebrochen. Dieser werde von Dauer sein, ist Stadler überzeugt: „St. Pölten ist heute das pulsierende Herz inmitten des Bundeslandes.“

Anlässlich des Jubiläumsjahrs sind mehrere Festivitäten geplant. Die Termine werden in den nächsten Tagen festegelegt.

Die NÖN begleitet das Jubiläumsjahr in Kooperation mit der Stadt ab der nächsten Ausgabe mit einer Serie.


Die Hauptstadt-Chronologie

1920: Wien wird ein eigenes Bundesland, bleibt aber Hauptstadt von Niederösterreich.

1938: Krems wird zur Hauptstadt des Gaus Niederdonau.

ab 1960: Die ÖVP macht sich für eine eigene Hauptstadt in Niederösterreich stark, bereits damals ist St. Pölten in der Favoritenrolle. Die SPÖ ist dagegen.

1./2. März 1986: Die von Siegfried Ludwig unter dem Motto „Ein Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft“ initiierte Volksbefragung geht zu Gunsten von St. Pölten aus.

10. Juli 1986: Der Landtag beschließt, St. Pölten zur NÖ-Hauptstadt zu machen.

1992: Spatenstich für das Landhaus.

1997: Das Amt der NÖ Landesregierung übersiedelt von Wien nach St. Pölten.