Erstellt am 11. September 2015, 05:17

von Jutta Streimelweger

"Ich verstehe keinen Spaß". Bühne-im-Hof-Intendantin Mimi Wunderer im NÖN-Interview überihren Abschied, den Dialog zwischen den Kulturen und den Wert von Jugendtheater.

Mimi Wunderer in ihrer 1990 eröffneten Bühne im Hof in der St. Pöltner Linzerstraße.  |  NOEN, Franz Gleiß

Die NÖN lädt die Intendantinnen von Festspielhaus, Landestheater und Bühne im Hof zum Gespräch.Diese Woche spricht Mimi Wunderer über ihre letzte Saison und die vergangenen 26 Jahre.

NÖN: Kabarett und Comedy sind in der Bühne im Hof im Mittelpunkt. Wie bringt man die St. Pöltner am besten zum Lachen?
Mimi Wunderer:
Ich bin kein Kabarettist, ich bringe gewiss niemanden zum Lachen, aber das tun die Künstler. Und es ist eine Kunst, Menschen zum Lachen zu bringen. Ich kann‘s nicht. Ich bin auch nicht unbedingt für Comedy. Kabarett mit politischen Inhalten – ja –, aber Comedy, danke, nein.

"Ich lache sehr selten"

Und wie bringt man Sie zum Lachen?
Ich lache sehr selten. Ich verstehe auch keinen Spaß. Viele Menschen bestehen darauf, dass ihre Partner Humor haben, sie zum Lachen bringen – ich bin froh, wenn mein Partner mich nicht zum Lachen bringt.

Es gibt ja auch ernsthafte Themen. Zum Beispiel der Dialog zwischen den Kulturen.
Der Dialog war 1990 ein Aufruf der Vereinten Nationen durch den damaligen iranischen Präsidenten Chatami. Zu dieser Zeit war ich Intendantin im Festspielhaus St. Pölten. Die Sanktionen, die der ganze Westen über den Iran verhängt hatte, betrafen die Künstler im Iran und waren auch für mich persönlich schlimm. Ich habe trotzdem ein Konzert mit dem Teheran Symphony Orchester gemacht. Im Publikum waren hochrangige Diplomaten, Botschafter, Menschen verschiedenster Kulturen und Religionen aus Nah und Fern. Anschließend wurde zu einem persischen Buffet geladen. Inzwischen steht der Dialog zwischen den Kulturen auf hoher diplomatischer Ebene.

Vocapella, das Vocal Ensemble aus Teheran eröffnet auch diese Saison in der Bühne im Hof.
Wir haben es uns mit dem Dialog zwischen den Kulturen zur Aufgabe gemacht jeweils im September Künstler aus Persien ganz exklusiv zu präsentieren. Das fand immer großen Anklang.

"Es muss nicht immer Kabarett sein"

Wie wichtig sind Ihnen diese Konzerte?
Ich liebe diese Auftritte. Es muss nicht immer Kabarett sein. Ich bin stolz darauf, dass so viele Künstler bedingungslos immer „Ja“ zur Bühne im Hof sagen. Aber ich bin genauso stolz, wenn es solche Abende gibt, die etwas weniger Einnahmen bringen, aber dafür inhaltlich und moralisch umso mehr wert sind.

Sie verlassen die Bühne im Hof mit Jahresende. Bleibt der Dialog der Bühne erhalten?
Der Dialog wird ein Schwerpunkt in der Bühne im Hof bleiben. Reinhard Gosch hat bereits Zusagen, dass es weitergeht. Es wäre ja auch nicht sinnvoll, das nicht weiterzuverfolgen – gerade jetzt wo das Flüchtlingsthema Mode geworden ist.

Was meinen Sie mit „Mode“?
Jeder bringt sich ein, alle wollen jetzt helfen. Die Geschichte unserer Arbeit entspricht einer behutsamen, konzentrierten Entwicklung, die über Jahre viel bringen wird. Gegenwärtig muss sich jeder engagieren. Für mich ist es ein permanentes Selbstverständnis etwas für Menschen zu tun, die in Not geraten sind. Eine längere konsequente Unterstützung ist aktuell bei uns von Bedarf.

Sie nehmen nun nach 26 Jahren Abschied. Wie fühlt sich das an?
Ich verlasse die Bühne mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Man muss loslassen können. Ich werde gewiss nicht untätig sein und mich anderen Aufgaben widmen.

"Ich verlasse die Bühne mit einem lachenden und einem weinenden Auge"

Sie werden immer Teil der Bühne im Hof bleiben.
In der Vielfalt hat die Bühne im Hof Unmögliches geleistet. Es wird ja auch weitergehen und mein Wirken ist ja verewigt. Ich bin die Gründerin und Erfinderin dieses Hauses, die Bühne im Hof ist meine Erfindung. 1989 hab ich den Namen beim Auf- und Abgehen erfunden. Das Konzept hat mit Kleinkunst angefangen, später wurden wir zur Alternativbühne. Wir hatten Tanz, Musik und Theater im Haus.

„Man muss loslassen können. Ich werde gewiss nicht untätig sein und mich anderen Aufgaben widmen.“ Mimi Wunderer, Intendantin der Bühne im Hof

Kinder- und Jugendtheater hatten in der Bühne im Hof immer Platz.
Wir haben jedes Jahr eine Jugendproduktion beauftragt. Das hatte stets durchschlagenden Erfolg bei der Jugend, den Lehrern und den Eltern – die Themen waren sozial und immer gesellschaftskritisch. Es war mir wichtig, Themen zu wählen, die die Jugend wirklich betreffen. Solche Auseindersetzungen gehören unbedingt auf die Bühne. Künftig sollten diese Jugendproduktionen in der Bühne im Hof auch erhalten bleiben.

Wird das Jugendtheater ein Teil ihrer zukünftigen Arbeit?
Das weiß ich noch nicht. Es ist noch alles offen. Das Thema liegt mir weiter sehr am Herzen. Das moderne Theater hat die Verpflichtung nicht nur zu unterhalten, sondern vor allem zum Nachdenken anzuregen.