Erstellt am 30. März 2016, 07:34

In der City fehlen Radständer. Radlobby fordert mehr Geld für Infrastruktur, kritisiert Kerntangente Nord und lobt die Stadt.

Jeden zehnten Kilometer legen die St. Pöltner mit dem Fahrrad zurück. Dementsprechend groß ist der Bedarf an Radinfrastruktur, beispielsweise an Fahrradständern wie hier beim Bahnhof.  |  NOEN, Jutta Streimelweger

Spätestens mit dem Oster-Wochenende hat in St. Pölten die Fahrrad-Saison wieder begonnen. Dass Radfahren beliebter wird, zeigt ein Blick in die Statistik: Mittlerweile legen die St. Pöltner im Schnitt mehr als jeden zehnten Kilometer mit dem Drahtesel zurück. Dementsprechend investiert die Stadt: Zu den 120.000 Euro Budget für Instandhaltung und Ausbau des 169 Kilometer langen Radwegenetzes kommen zehntausende weitere Euros für die Umsetzung von Radwegen im Zuge von Straßenbau- und Straßensanierungsprojekten.

„Diese Beträge werden nicht separat ausgewiesen, da die Arbeiten gemeinsam ausgeschrieben werden“, erklärt Gregor Gradnitzer von der Stadtplanung. Nicht separat ausgewiesen sind deshalb beispielsweise die für heuer vorgesehene Errichtung eines Radweges im Zuge der Sanierung und Umgestaltung der Unterwagramer Straße zur Lebensachse sowie der Bau eines Geh- und Radweges auf der neuen Traisenbrücke der Kerntangente Nord.

Für die Radlobby ist just diese Traisenbrücke ein Beweis dafür, dass sich die Stadt zwar grundsätzlich um die Radfahrer bemühe, in der Praxis aber manchmal falsche Entscheidungen treffe. „Gerade bei Neubauten müsste die Stadt darauf schauen, dass Fuß- und Radwege getrennt werden“, betont Maria Zögernitz. Überhaupt hat die Radlobby mit der Kerntangente wenig Freude. Zögernitz: „Sie erhöht den Autoverkehr und bindet unnötig viel Geld, das für kleine Radmaßnahmen fehlt.“

Zudem bringe sie umfangreiche Verkehrsbeschränkungen für Radfahrer und Fußgeher, die künftig mehr als zwei Kilometer lange Umwege in Kauf nehmen müssten. Eine vergebene Chance sei auch die Umgestaltung der Parkpromenade im Zuge der Errichtung der Park- & Ride-Anlage, die für Radfahrer keine Verbesserung gebracht habe.

Insgesamt ortet die Radlobby aber auch Verbesserungen in der Stadt. So seien neben der Kooperation mit der Stadt beispielsweise beim Radtag auch der Nextbike-Betrieb, der Radwegebau bei der B 1 sowie die neue Radwegführung in der Landsbergerstraße/Kreisverkehr Josefstraße Zeichen für den guten Willen der Stadt. Auch die Einrichtung einer Fahrradstraße sei ein Schritt in die richtige Richtung, meint Zögernitz. Allerdings solle hier die Information, was das für die Verkehrsteilnehmer bedeutet, verbessert werden. Zugleich gebe es aber nach wie vor zu wenig Geld für Radinfrastrukturprojekte und auch „Verschlimmbesserungen“. Ein Beispiel dafür sei der neue Übergang im Mühlweg zu den Radabstellplätzen am Bahnhof. „Hier gibt es nur einen Fußweg anstatt einer Radüberfahrt.“

Critical-Mass-Radparade am 22. April

Ein großes Problem in der Innenstadt ist der Mangel an Fahrradständern. Zwar gibt es mehr als 300 Abstellplätze, der Bedarf sei aber deutlich höher, sind sich Radlobby und Magistrat einig. „Wir würden gerne mehr Radständer aufstellen“, versichert Gradnitzer. In der Praxis scheitere das aber oft daran, dass in der Innenstadt die Gassen eng seien – die Radständer also den Lieferverkehr behindern – und Geschäftsleute wenig Freude mit Radständern vor ihren Auslagen hätten.

Eine Alternative zum autogeprägten Stadtbild will die Radlobby am Freitag, 22. April, im Rahmen der zweiten Critical-Mass-Radparade aufzeigen. Los geht‘s um 17 Uhr.

 

Von Daniel Lohninger