Traismauer , St. Pölten

Erstellt am 06. Februar 2018, 05:24

von Mario Kern

Svoboda und Forstinger wollen weitermachen. Svoboda will Betrieb in Eigenverwaltung sanieren. Forstinger stellt auch St. Pöltner Filialen auf den Prüfstand.

Symbolbild  |  APA/Herbert Pfarrhofer

Beinahe gleichzeitig mussten zwei große Unternehmen in der Region den Gang zum Insolvenz-Richter antreten: Während Forstinger, das 2015 seinen Sitz nach Traismauer verlegt hatte, sich bereits einmal entschulden musste, ist der Schritt für das 107 Jahre alte St. Pöltner Büromöbel-Unternehmen Svoboda ein neuer Weg, wieder auf gesunden Beinen zu stehen.

125 Mitarbeiter sind von der Insolvenz von Svoboda betroffen. Der Büromöbelhersteller geht aber optimistisch in die Zukunft.  |  NOEN, Werth

Notwendig wurde das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beim Möbelhersteller aufgrund der bisher erfolglosen Investorensuche und eines „schwierigen Marktumfeldes“, wie Sprecher Philipp Reich betont. Zudem erschwerten Altlasten die Bemühungen, der Zustand der alten Maschinenanlagen hat sich „nachträglich schlechter dargestellt als angenommen“. Verbindlichkeiten von 8,14 Millionen Euro stehen Aktiva von 2,1 Millionen Euro gegenüber.

„Ich bin überzeugt, dass es gelingt, Svoboda auf Erfolgskurs zu bringen.“ Christoph Königslehner, Svoboda-Geschäftsführer

Geschäftsführer Christoph Königslehner rechnet mit einem erfolgreichen Sanierungsverfahren: „Ich bin überzeugt, dass es gelingt, Svoboda wieder auf Erfolgskurs zu bringen und auch Investorengespräche erfolgreich abzuschließen.“ Königslehner ist seit Ende des Vorjahres Alleingesellschafter des Unternehmens, nachdem die faw-Gruppe, deren Geschäftsführer Königslehner ist, 2016 den Betrieb übernommen hatte. 35 Mitarbeiter wurden seither im Rahmen der Umstrukturierung abgebaut. „Hauptsächlich durch natürlichen Abgang“, wie Philipp Reich erläutert.

Von der Insolvenz betroffen sind 125 Mitarbeiter, davon 34 Außenmitarbeiter in sechs Außenstellen. Sie wurden vorsorglich beim AMS gemeldet. Insolvenzexperte Franz Schiegl von der NÖ Arbeiterkammer geht davon aus, dass die Sanierung durchgeht und „aus heutiger Sicht keine Reduktion von Dienstnehmern notwendig ist“.

Zum Masseverwalter wurde der St. Pöltner Rechtsanwalt Friedrich Nusterer bestellt, der die „Ambitionen des Unternehmens auf Fortbestand nach Möglichkeit unterstützen“ will. Weitere Schritte zur Restrukturierung wurden bereits eingeleitet. Gläubigerversammlung ist am 13. Februar, das Möbelunternehmen bietet eine Quote von 30 Prozent an. Tags zuvor ist eine Dienstnehmerversammlung angesetzt.

Forstinger will Filialen reduzieren

Forstinger, der größte österreichische Autozubehör-, Zweirad- und Zweiradzubehör-Händler, schlitterte mit Schulden von 31,22 Millionen Euro nach 2001 neuerlich in die Pleite. 350 Gläubiger sind betroffen. Besitzer von Gutscheinen können diese nur noch unter gewissen Bedingungen einlösen. Als Gründe für die Insolvenz nennt das Unternehmen, das seit 2015 seinen Sitz und sein Zentrallager in Traismauer hat, einerseits alte Lieferanten- und Mietverträge, die Einsparungen nicht erlaubt hätten. Andererseits sei aufgrund der warmen Witterung das Wintergeschäft um bis zu 70 Prozent eingebrochen.

Nach mehreren Eigentümer-Wechseln war 2015 mit Geschäftsführer Martin Schmid-Schmidsfelden neue Hoffnung eingekehrt, das Unternehmen wieder auf Vordermann bringen zu können.

Forstinger gibt sich auch weiterhin kämpferisch

Das Unternehmen, das zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung österreichweit 823 Mitarbeiter beschäftigte, soll fortgeführt werden. Allerdings möchte man die Zahl der Filialen – derzeit 108 – reduzieren. Die Rede ist von acht bis 15 Filialen, evaluiert werden auch die beiden St. Pöltner Standorte sowie die Neulengbacher Filiale.