Erstellt am 31. Mai 2016, 08:45

von Mario Kern

Interview mit Schauspieler Josef Hader. Schauspieler Josef Hader im NÖN-Gespräch über seine Rolle als Stefan Zweigim Film "Vor der Morgenröte" und die kulturelle Entwicklung in der Landeshauptstadt.

Josef Hader über seine Titelrolle: »Ich mag Zweig, mit all seinen Bruchlinien.«  |  NOEN, Kern

In Maria Schraders neuem Film „Vor der Morgenröte“ mimt Kabarettist und Schauspieler Josef Hader den österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig. Die NÖN sprach mit ihm nach der Niederösterreich-Premiere im Cinema Paradiso.

NÖN: Sie sprechen im Film Französisch, Spanisch und Portugiesisch. Was war herausfordernder, die Sprachen oder die sehr langen Szenen?

Josef Hader: Beides. Ich kann diese Sprachen nicht und habe sie mir für den Film quasi wie ein Zirkuspferd andressiert. Vor allem die französischen Parts musste ich besonders gut können, weil ja bekannt war, dass Zweig bereits als Kind französisch gelernt hat.

Aber dadurch, dass alles so anders war – die Rolle, die Art zu drehen, die vielen Sprachen – habe ich es als einzige große sportliche Herausforderung gesehen.

Sie haben schon in Ihrer Jugend Zweigs Werke gelesen. Wie war es nun, für die Leinwand in seine Haut zu schlüpfen?

Hader: Eine große Aufgabe. Weil ich vorher nur Rollen aus einem Milieu gespielt habe, das ich ein bisschen besser kenne. Aber ich wollte das Risiko eingehen. Ich brauche immer eine besondere Beziehung zu einer Rolle und die gab es in diesem Fall.

Stefan Zweig war ein glühender Pazifist. Wie sehr können Sie sich mit seiner Haltung identifizieren?

Hader: Ich verstehe so manches an ihm: Seine Haltung etwa, dass er keinen Applaus wollte für politische Ansichten, für die anderswo Menschen gestorben sind. Ich bin aber kein absoluter Pazifist. Zweig ist eine Figur mit Bruchlinien. So etwas mag ich.

Im Film ist die Flucht vor den Nazis omnipräsent. Heute ist Flucht wieder ein Thema, das Europa beschäftigt. Sind diese Parallelen beabsichtigt?

Hader: Nein, das Thema hat erst im Lauf der Dreharbeiten Brisanz bekommen. Aber die Beschäftigung mit einer Zeit, wo es Parallelen gibt – Misstrauen gegenüber traditioneller Politik, die Angst, dass bestimmte Systeme auseinanderbrechen, und eben Flüchtlingsbewegungen nach Kriegen –, ist natürlich hilfreich. Vielleicht kann man ja daraus etwas lernen.

Ihre Auftritte in der Bühne im Hof haben bereits Tradition – am 23. September kommen Sie mit „Hader spielt Hader“. Wie sehen Sie die kulturelle Entwicklung der Stadt in den letzten Jahren?

Hader: Ich kenne St. Pölten ja schon als Schüler. Immer wenn ich für das Stiftsgymnasium Melk eine Nachprüfung hatte – und ich hatte öfters Nachprüfungen – war ich im Kolpingheim und habe dort in den Ferien gelernt.

Zudem war ich schon als Kind im Stadttheater. Die Stadt hat durch die Hauptstadtwerdung eine Riesen-Entwicklung genommen. Kulturell ist wahnsinnig viel passiert. In der Stadt, aber auch im Land, hat man für Kultur viel übrig.