Erstellt am 25. Februar 2016, 13:08

von APA Red

Jubiläum soll mehr Gäste nach St. Pölten locken. In St. Pölten laufen aktuell nicht nur die Vorbereitungen auf die Gemeinderatswahl am 17. April, sondern auch auf 30 Jahre Landeshauptstadt. Das Jubiläum soll mehr Gäste an die Traisen bringen, sagte Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) am Donnerstag in einem Pressegespräch.

Rathaus St. Pölten  |  NOEN, Daniel Lohninger
Die offizielle Erhebung war am 10. Juli 1986 erfolgt. Gefeiert wird in St. Pölten mit 30 Veranstaltungen. Höhepunkt wird eine laut Stadler "große Festveranstaltung" am 9. Juli auf dem Rathausplatz sein, die gleichzeitig den Auftakt zum Sommer-Festival bilden soll.

Der Tourismus präsentiert sich seit Donnerstag mit einem neuen Webauftritt unter www.stpoeltentourismus.at, "losgelöst von der behördlichen Website der Stadt".

Mehr Fokus auf Tagungs- und Seminartourismus

Jubiläen hätten "immer Zuwächse" bei den Nächtigungen in der Stadt gebracht, sagte der Bürgermeister. Er rechne daher auch 2016 mit einem Plus. Waren 1986, dem Jahr der Landeshauptstadt-Werdung, noch 25.047 Ankünfte und 48.078 Nächtigungen gezählt worden, hat es bis 2015 beinahe eine Verdreifachung gegeben.

Bei einem Gästebettenstand von 1.252 (ohne Campingplatz) wurden laut Tourismusbüro-Leiterin Eva Prischl 69.013 Ankünfte und 140.715 Übernachtungen gezählt.

Verstärkt werden soll in St. Pölten der Tagungs- und Seminartourismus. Immerhin liege die Stadt an der Westbahnstrecke nahe zu Wien ebenso wie zum Weltkulturerbe Wachau, sagte Stadler. Die Bettenkapazität sei immer ein Thema, meinte er auf Nachfrage, merkte dabei aber auch an, dass hinsichtlich weiterer Unterkünfte zwei Projekte im Gespräch seien.

NÖ sagte vor 30 Jahren "Ja" zu eigener Hauptstadt

Kommende Woche ist es 30 Jahre her, dass Niederösterreich "Ja" zu einer eigenen Landeshauptstadt gesagt hat. Bei einer Volksbefragung am 1. und 2. März 1986 stimmten 56 Prozent dafür. 44,6 Prozent sprachen sich - unter fünf kandidierenden Städten - für St. Pölten aus.

Am 10. Juli 1986 gaben ÖVP und SPÖ, die damals einzigen Parteien im NÖ Landtag, die Zustimmung zur Änderung der Landesverfassung. Damit wurde St. Pölten auch offiziell zur Landeshauptstadt.

Initiator der Volksbefragung war der damalige Landeshauptmann Siegfried Ludwig (ÖVP). Vorangegangen war eine jahrzehntelange Diskussion um das Thema NÖ Landeshauptstadt. 1984 hatte Ludwig beim 33. Landesparteitag der Volkspartei NÖ ein derartiges Projekt als "kühne, aber durchaus realistische Vision" bezeichnet.

Mit dem Volksentscheid verknüpfte er in der Folge auch sein weiteres politisches Schicksal. Hätte sich die Bevölkerung gegen eine eigene Metropole ausgesprochen, wäre er noch 1986 zurückgetreten, ließ Ludwig fünf Jahre später wissen.

"Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft"

Fast 1,2 Millionen Menschen waren vor drei Jahrzehnten zur ersten landesweiten Volksbefragung in der Geschichte Niederösterreichs aufgerufen. Dabei ging es nicht nur um "Ja oder Nein?" zur Landeshauptstadt, sondern auch um die Bestimmung eines Standortes. Bewerber waren Baden, Krems, St. Pölten, Tulln und Wiener Neustadt. In einer Leerzeile auf dem Stimmzettel bestand außerdem die Möglichkeit zur Nennung einer weiteren niederösterreichischen Stadt nach eigener Wahl.

"Ein Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft" wird wohl ewig in Erinnerung bleiben. Es war "der" Slogan in der Kampagne vor der Volksbefragung. Letztlich habe es sich um die "wichtigste Entscheidung" seit der Trennung Wiens und Niederösterreichs gehandelt, hieß es später im Bundesland.

Der amtierende Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) gehörte schon zum Zeitpunkt des historischen Beschlusses 1986 der NÖ Landesregierung an. Er war damals Finanzreferent und Stellvertreter von Siegfried Ludwig. Der "Vater" der Landeshauptstadt ist am 16. April 2013 im Alter von 87 Jahren gestorben.

An der Volksbefragung vor 30 Jahren hatten 61,4 Prozent der knapp 1,2 Millionen Stimmberechtigten teilgenommen. 56 Prozent von ihnen sprachen sich für eine eigene Landeshauptstadt, 44 Prozent dagegen aus. Von den fünf Bewerberstädten erhielt St. Pölten mit 44,6 Prozent die meiste Zustimmung vor Krems (29,3 Prozent). Baden (8,2 Prozent), Tulln (5,3 Prozent) und Wiener Neustadt (4,1 Prozent) folgten abgeschlagen. Für eine sonstige Stadt votierten 0,4 Prozent. 8,2 Prozent sagten lediglich "Ja".