Erstellt am 26. April 2016, 05:54

von Daniel Lohninger

Dem Jubel folgte Ernüchterung. Daniel Lohninger über zwei völlig unterschiedliche Wahlsonntage.

Sechs von zehn St. Pöltnern machten vor einer Woche bei SP-Stadtchef Stadler ihr Kreuzerl. Nur einer von sechs St. Pöltnern tat das am Wahlsonntag darauf bei Rudolf Hundstorfer, ebenfalls von der SP. Nirgendwo sonst lässt sich das Ende der Stammwähler-Tradition besser illustrieren als in der
NÖ-Landeshauptstadt.

Während Stadler mit Präsenz, aber auch Ideen und Visionen die Wähler überzeugte und damit eine Wechselstimmung in der Stadt bereits im Ansatz verhinderte, blieben die Präsidentschafts-Kandidaten von SP und VP völlig farblos. Davon profitiert hat eine Partei, die selber keine Lösungen anbietet, aber zumindest weiß, gegen was sie ist: die FP. Blieben die Angst-Parolen im Gemeinderats-Wahlkampf noch ohne Folgen, entfalteten sie eine Woche später auch in St. Pölten ihre Wirkung. Die schwache Performance der Bundesregierung war ein guter Boden für den FP-Kandidaten Norbert Hofer, der auch in St. Pölten die klare Nummer eins wurde.

Die Lehren aus beiden Sonntagen? Jede Wahl hat ihre eigenen Gesetze und bei jedem Wahlgang müssen Politiker aufs Neue ihre Wähler überzeugen. Nur aus Tradition wählt kaum mehr jemand.