Erstellt am 18. Juli 2017, 05:41

von Daniel Lohninger

Dunkle Flecken nicht verstecken. Daniel Lohninger über die Grabungen in einem ehemaligen Lager.

1939 hatte St. Pölten fast 50.000 Einwohner – mehr als doppelt so viele wie 40 Jahre zuvor. Das Bevölkerungswachstum war Folge des enormen
Arbeitskräftebedarfs einer aufstrebenden Industriestadt.

Dann brach der Weltkrieg aus. Arbeitskräfte für die kriegswichtigen Industriebetriebe fehlten. Tausende Zwangsarbeiter wurden in die Stadt gekarrt, um dies zu kompensieren. Interniert waren sie in Lagern – das größte befand sich zwischen der Traisen und der Austraße. Hier graben jetzt Archäologen, die mehr über die Lebensumstände der Zwangsarbeiter zutage fördern wollen. Deren Geschichte zu dokumentieren ist notwendig, weil vom Denkmalamt vorgeschrieben.

Es ist aber auch ein wesentlicher Prozess für die Stadt, deren Geschichte eben nicht nur aus vielen hellen Punkten, sondern auch einigen dunklen Flecken besteht. Wichtig ist, diese dunklen Flecken nicht einfach wieder verschwinden zu lassen, sondern sie für künftige Generationen sichtbar zu machen. Das gilt besonders für ein Areal, auf dem ein neuer Stadtteil mit 800 Wohnungen entstehen wird.