Erstellt am 09. Februar 2016, 04:43

von Daniel Lohninger

Nicht nur eine Gesetzesfrage. Daniel Lohninger über diskriminierende Wohnungsvergabe.

Wohnung zu vermieten – aber nur für Menschen mit Deutsch als Muttersprache. So pries eine St. Pöltnerin im Internet ihre 35-Quadratmeter-Wohnung an. Ihre Erklärung: Sie hätte schlechte Erfahrungen mit Tschetschenen gemacht und würde sich die Neuauflage des Ärgers in Zukunft gern sparen.



Jetzt hat die Vermieterin stattdessen anderen Ärger: Für Flüchtlingshelfer und Gleichbehandlungsanwaltschaft ist das Inserat diskriminierend. Rein juristisch betrachtet ist die Sache eindeutig: Das Inserat widerspricht dem Gleichbehandlungsgesetz. Daran, dass die Vermieterin ihre Wohnung an einen ihr genehmen Mieter vergibt, wird das nichts ändern.

Die wesentliche Fragestellung ist aber ohnehin nicht juristischer Natur. Entscheidend ist vielmehr, dass die Formulierung des Inserates ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Klimas ist. Und in dem wird es salonfähig, die deutsche Muttersprache als Garant dafür zu sehen, dass sich jemand an die gesellschaftlichen Gepflogenheiten hält. Dass alle „echten“ Österreicher brave Lämmchen sind, ist aber bekanntlich ein Trugschluss.