Erstellt am 15. Dezember 2015, 04:58

von Daniel Lohninger

Straßennamen hinterfragen. Otto Tschadek war Justizminister, Landeshauptmann-Stellvertreter, SPÖ-Bundesvorstandsmitglied – und er war „Blutrichter“. Vier Todesurteile hat der spätere Spitzenpolitiker in seiner Zeit als Marinerichter in Kiel gesprochen, eines wurde aufgehoben, weil es den Nazis zu streng war.

Otto Tschadek war Justizminister, Landeshauptmann-Stellvertreter, SPÖ-Bundesvorstandsmitglied – und er war „Blutrichter“. Vier Todesurteile hat der spätere Spitzenpolitiker in seiner Zeit als Marinerichter in Kiel gesprochen, eines wurde aufgehoben, weil es den Nazis zu streng war.

Tschadek gab sich Zeit seines Lebens über jeden Verdacht erhaben, stellte sich als milden Richter dar, der nie ein Todesurteil sprach.

In St. Pölten erinnert die Verbindung zwischen Niederösterreichring und Purkersdorfer Straße an ihn. Was tun nach den neuen Erkenntnissen? Wieder einmal steht man im Rathaus vor dieser Frage, wie zuletzt beim Bildhauer Wilhelm Frass.

Dessen grausliches Nazi-Pamphlet fand man 2012 im Denkmal des Toten Soldaten am Heldenplatz. Eine öffentlich nachvollziehbare Neubewertung der Frass-Denkmäler – etwa der Brunnenskulptur „Adalbert und Ottokar“ in der Kremser Gasse – blieb bislang aus.

Bei Tschadek, der nachweislich Menschen töten ließ, muss mehr passieren. Unkommentiert ist er als Straßennamensgeber nicht mehr tragbar.