Erstellt am 12. Juli 2016, 07:31

von Daniel Lohninger

Starke Bilanz der ersten 30 Jahre. Mehr Einwohner, Arbeitsplätze und Touristen, aber auch besseres Bildungsangebot als 1986.

St. Pöltens Journalisten-Legende Hubert Wachter, Hauptstadtplaner Norbert Steiner, Landesrat Stephan Pernkopf, Ehrenbürger Ernst Höger, Bildungsministerin Sonja Hammerschmid sowie Bürgermeister Matthias Stadler (von links) zogen Bilanz nach 30 Jahren  |  Lisa Röhrer

Kein großer Event, stattdessen ein kleiner Festakt mit Gratis-Gulasch und Bier – so beging St. Pölten das 30-Jahr-Jubiläum als Landeshauptstadt. Dass das Gulasch mit Saft war, war angesichts des Slogans „Ein Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft“ so selbstverständlich wie es St. Pölten als Hauptstadt des größten Bundeslandes mittlerweile ist.

In den 30 Jahren, seit fast die Hälfte der Landsleute für die Traisenmetropole votierten, hat sich viel getan. Die Fakten im Überblick:

Arbeitsplätze und Wirtschaft: 1986 verfügte die Stadt St. Pölten insgesamt über knapp 25.000 Arbeitsplätze, die Industrie-Jobs überwogen. Heute sind es mehr als 60.000 Arbeitsplätze, womit St. Pölten eine von nur drei Städten in Österreich ist, die über mehr Jobs als Einwohner verfügen. Die Übersiedelung des Amtes der NÖ Landesregierung nach St. Pölten brachte zwar 2.800 neue Arbeitsplätze. Entscheidender für das Wachstum waren aber die Klein- und Mittelbetriebe: Mehr als 90 Prozent aller St. Pöltner Jobs bieten heute Unternehmen mit weniger als 25 Mitarbeitern. Die Zahl der Betriebe kletterte von etwa 1.700 auf 3.539. „Wir haben die Weichen gestellt, die nachfolgende Generation hat der Hauptstadt eine Seele eingehaucht“, resümiert der ehemalige Landeshauptmann-Stellvertreter Ernst Höger (SP).

Einwohner und Wohnbau: 53.445 Menschen hatten Anfang 2016 ihren Hauptwohnsitz, weitere 4.816 ihren Nebenwohnsitz in St. Pölten. Damit wohnen heute um 6.000 Menschen mehr in der Stadt als 1986. Dass die Zahl der Einwohner nicht deutlicher gestiegen ist, liegt vor allem daran, dass St. Pölten in den Jahren nach 1986 sukzessive Einwohner verlor und Anfang der 2000er-Jahre sogar unter die 50.000-Einwohner-Marke fiel. Erst in den vergangenen Jahren nahm die Einwohnerzahl wieder zu. Dieser Trend dürfte sich beschleunigen: Deshalb sind gegenwärtig 4.100 Wohnungen in Bau oder Planung, neue Stadtteile werden erschlossen.

Infrastruktur und Verkehr: Drei Milliarden Euro wurden seit 1986 von der öffentlichen Hand in St. Pölten investiert, davon etwa 700 Millionen Euro in Regierungsviertel und Kulturbezirk. Viele weitere Infrastrukturprojekte wurden in dieser Zeit in Angriff genommen – beispielsweise die S 33, die Westbahn-Neubaustrecke, die Güterzugumfahrung (die im nächsten Jahr eröffnet wird) sowie der Niederösterreich-Ring. Auch das Lup-Stadtbussystem, das mittlerweile von 4,8 Millionen Fahrgästen pro Jahr genutzt wird, gab es in dieser Form vor 30 Jahren noch nicht.

Ausbildung und Bildung: 1986 war die Philosophisch-Theologische Hochschule die einzige akademische Ausbildungsstätte in der Stadt. Heute sind es mit der Fachhochschule und der New Design University drei, ab nächstem Jahr mit der Privat-Universität für Psychotherapie dann vier. Insgesamt stieg die Zahl der Ausbildungsplätze auf mehr als 60.000. „St. Pölten ist als Bildungsstandort ganz vorne in Österreich dabei“, meint Bildungsministerin Sonja Hammerschmid. Wichtig sei es aber, nicht stehen zu bleiben und das Angebot weiter zu entwickeln. Landesrat Stephan Pernkopf sieht St. Pöltens Entwicklung nach ganz Niederösterreich ausstrahlen: „St. Pölten hat sich Stadt von der Stadt der rauchenden Schlote zur Stadt der rauchenden Köpfe entwickelt.“

Tourismus und Innenstadt: Die Zahl der Ankünfte und Nächtigungen in der Stadt hat sich seit 1986 fast verdreifacht – trotz eines leichten Rückgangs in den vergangenen Jahren. 48.078 Nächtigungen waren es vor 30 Jahren, im Vorjahr 140.715 bei knapp 72.000 Ankünften. Zugleich verdoppelte sich auch die Frequenz in der Innenstadt – auf 90.000 Besucher pro Woche.

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