Erstellt am 30. März 2016, 05:34

von Mario Kern und Daniel Lohninger

Landeshauptstadt: "Keine Hinweise auf Gefahr“. Erhöhte Polizeipräsenz am Bahnhof, aber auch im Traisenpark. ÖBB plant mehr Securitys.

In Brüssel herrscht seit den Anschlägen der Ausnahmezustand. Erst seit wenigen Tagen sind Flughäfen und Bahnhöfe wieder geöffnet. Die Terror-Aktionen hatten auch Auswirkungen auf St. Pölten: Hier gab es am Hauptbahnhof erhöhte Polizeipräsenz. Demnächst wollen die ÖBB ihre Security-Kräfte aufstocken. Zudem soll es künftig mehr Videokameras geben.  |  NOEN, PATRIK STOLLARZ (AFP)

Mindestens 30 Tote und 300 Verletzte haben die Bomben-Attentate am Brüsseler Flughafen und am Bahnhof gefordert. Obwohl die belgische Hauptstadt gut 1.000 Kilometer von der niederösterreichischen Landeshauptstadt entfernt liegt, haben sich die Terroranschläge der Vorwoche auch in St. Pölten bemerkbar gemacht: Nach der Tragödie hat die Polizei ihre Präsenz am Hauptbahnhof erhöht.

„Aber auch in Einkaufszentren, also Knotenpunkten, wo viele Personen anzutreffen sind, waren mehr Polizisten eingesetzt“, erklärt Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler. Besonderes Augenmerk werde auf das größte Einkaufszentrum, den kürzlich neu eröffneten Traisenpark, gelegt. Wie vom Innenministerium verordnet, sind die Polizeibeamten mit Sonderbewaffnung und Schutzausrüstung unterwegs. Vorkommnisse oder Anrufer mit Hinweisen auf verdächtige Personen habe es keine gegeben, betont Bäuchler.

„Niemand kann seriös Ereignisse in Europa ausschließen. Deshalb müssen wir generell von einem erhöhten Risiko ausgehen.“ Karl-Heinz Grundböck Innenministerium

„Niemand kann seriös Ereignisse in Europa ausschließen. Deshalb müssen wir generell von einer erhöhten Risikosituation ausgehen“, warnt Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck. Für Österreich und speziell für St. Pölten gebe es keine „konkreten Hinweise auf konkrete Bedrohungen“, versichert auch er. Die erhöhte Polizeipräsenz am St. Pöltner Bahnhof sei reine Routine. „In ganz Österreich haben wir nach dem Anschlag in Brüssel die Präsenz auf Flughäfen und an Bahnhöfen erhöht.“

Das habe vor allem der „Hebung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung“ gedient, betont Roland Scherscher vom Landesamt für Verfassungsschutz. Hinweise auf eine konkrete Gefährdung von Zielen in der Stadt gebe es keine, betont auch er. „Die Erfahrung zeigt uns, dass wir eine Woche nach einem Anschlag mit einer Zunahme von Hinweisen aus der Bevölkerung auf radikalisierte Personen rechnen müssen“, erwartet Scherscher. Das Landesamt für Verfassungsschutz gehe diesen Hinweisen konsequent nach und leite falls notwendig unverzüglich entsprechende Ermittlungs- und Sicherheitsmaßnahmen ein.

Mehr Security-Präsenz am Hauptbahnhof 

Um die Sicherheit der Bürger besorgt sind auch die ÖBB – der St. Pöltner Hauptbahnhof ist einer von bundesweit zwölf Bahnhöfen, die intensiv von eigenen Securitys bewacht werden. Kurzfristig waren nach den Vorkommnissen in Belgien hier mehr Sicherheitskräfte stationiert. „Da war auch mehr Personal in Zügen selbst unterwegs“, erzählt ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Dort sei man generell auf Terror-Aktionen vorbereitet. „Sollte es in Zügen zu Angriffen kommen, ist das Personal so geschult, dass Opfer-Erstversorgung, Deeskalation und Evakuierung professionell durchgeführt werden.“ Derzeit sind in St. Pölten stationär zehn Securitys eingesetzt, zehn weitere im mobilen Dienst – eine Verstärkung ist vorgesehen. Seif: „Diese Aufstockung war bereits vor Brüssel geplant. Eine konkrete Zahl kann noch nicht genannt werden.“

„Ich wäre zur Zeit des Attentats hier gewesen“

Glück gehabt hat der 53-jährige Unternehmer Hermann Mayer. Der St. Pöltner war vor dem Attentat geschäftlich in Brüssel unterwegs. „Schon Tage zuvor war die Stimmung anders, als ich das jemals in Brüssel erlebt habe: viel Militärpräsenz, wenig Leute, keine Taxis.“ Am Tag, als der mutmaßliche Drahtzieher der Paris-Attentate Salah Abdeslam verhaftet wurde, seien hunderte Polizeiautos durch die Innenstadt gefahren, erzählt Mayer. „Im Hotel habe ich dann die Verhaftung im Fernsehen gesehen.“

Drei Tage vor den Bombenexplosionen war Mayer früher als geplant wieder nach Österreich geflogen. „Wäre ich wie eigentlich geplant nach Hause geflogen, wäre ich zum Zeitpunkt der Explosion am Flughafen gewesen“, zeigt sich der Brüssel-Kenner von den Anschlägen erschüttert.