Erstellt am 01. März 2016, 04:54

von Birgit Kindler

Lieber Bahn als PKW. Bahnpendleranteil nach Wien ist seit 2009 nur in St. Pölten gesteigen.

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In der Landeshauptstadt ist die Zahl der Pendler, die den Zug nach Wien nutzen angestiegen – das zeigt eine Studie des Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Das Besondere daran: Der Raum St. Pölten ist der einzige Korridor, wo der Bahnpendleranteil nach Wien höher geworden ist, wie VCÖ-Sprecher Christian Gratzer bestätigt. Seit 2009 vergrößerte sich der Anteil der Bahnpendler von 32 auf 42 Prozent. „Ein gutes Beispiel, wie durch ein verbessertes Angebot das Mobilitätsverhalten positiv beeinflusst werden kann“, meint Gratzer.

Weniger Pkw in der Landeshauptstadt

Ebenfalls positiv wird in der Studie der Rückgang des Pkw-Motorisierungsgrades bewertet. Kamen 2013 in der Landeshauptstadt noch 569 Pkw auf 1.000 Einwohner, ist die Zahl mittlerweile auf 564 zurückgegangen. „In der Stadt verliert das Auto an Bedeutung“, erklärt dazu Gratzer. Hier sei die Verkehrsmittelauswahl größer und immer mehr Menschen seien deshalb häufiger mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Rad oder zu Fuß unterwegs. Dazu komme, dass der Pkw für viele kein Statussymbol mehr sei.

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Schlecht schneiden die St. Pöltner hingegen beim Zurücklegen ihrer Alltagswege ab. Nur 44 Prozent werden umweltfreundlich zurückgelegt, 16 Prozent zu Fuß, elf Prozent mit dem Rad und 17 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Die St. Pöltner sind zwar umweltfreundlicher mobil als der Landesschnitt mit 36 Prozent, aber der Anteil kann noch deutlich erhöht werden“, so Gratzer. Im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten gehört St. Pölten mit Eisenstadt und Klagenfurt zu den Schlusslichtern. Anders ist die Situation im Westen: In Bregenz werden 60 Prozent der Alltagswege umweltfreundlich zurückgelegt, in Innsbruck sogar 70 Prozent.

„Alltagsziele sollen gut erreichbar sein“

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Das Mobilitätsverhalten hänge unter anderem von der Erreichbarkeit der Alltagsziele ab. „Zersiedelung und Einkaufszentren am Stadtrand machen vom Auto abhängig, entsprechend mehr Strecken werden mit dem Auto gefahren“, analysiert Gratzer. Auch eine fußgängerfreundliche Verkehrsplanung und gute Bedingungen zum Radfahren würden hingegen dazu führen, dass viele Strecken nicht mit dem Pkw zurückgelegt werden. Wichtig sei auch ein gutes öffentliches Verkehrsangebot.

Für Gregor Gradnitzer von der Stadtplanung liegt der relativ hohe Anteil des motorisierten Individualverkehrs in erster Linie nicht an mangelnder Öffi-Versorgung, sondern an der starken Pkw-Nutzung auf kurzen Strecken, „die leicht mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückzulegen wären“. Hauptanliegen der Stadt sei es, im Generalverkehrskonzept den Fußgänger- sowie den Radverkehr zu steigern. Dafür sollen aus innerstädtischen Straßenzügen Lebensraumachsen entstehen.

Gradnitzer betont aber auch, dass die Landeshauptstädte nur bedingt miteinander vergleichbar seien: „Sie weisen grundlegend voneinander abweichende Siedlungsstrukturen hinsichtlich Dichte und räumlicher Distanz zwischen den Siedlungskernen sowie zugehörigen Katastralgemeinden auf.“