Erstellt am 25. April 2016, 11:19

von APA/Red

Lkw-Lenker beraubt: Prozess gegen Geschwisterpaar. Unter dem Namen "Operation Walküre" soll ein 28-Jähriger einen Raub an einem Lkw-Lenker geplant haben, weswegen er am Montag in St. Pölten vor Gericht stand.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, einen Fahrer mit Pfefferspray attackiert und ihm Geld geraubt zu haben. Seine ebenfalls angeklagte Schwester soll er zur falschen Beweisaussage angestiftet haben. Beide Beschuldigten bestritten die Vorwürfe.

Der 28-Jährige soll laut Anklageschrift am 16. Dezember 2014 über ein Wertkartenhandy bei einer Firma Brennholz bestellt haben. Bei der Lieferung am 18. Dezember auf ein Nachbargrundstück im Bezirk Tulln soll der Angeklagte den tschechischen Lkw-Fahrer mit einem Pfefferspray angegriffen und ihm 2.000 Euro sowie 15.000 tschechische Kronen (umgerechnet rund 550 Euro) geraubt haben.

Schwester lieferte falsches Alibi

Die Indizienlage sei "sehr klar und eindeutig", verwies Staatsanwältin Barbara Kirchner auf DNA-Spuren des Angeklagten auf einer Haube, die am Tatort gefunden worden war. Außerdem habe der 28-Jährige nach dem 18. Dezember 2014 tschechische Kronen bei einer Bank in Euro umgetauscht. Seine Schwester (25) habe dem Beschuldigten ein falsches Alibi für den Raubüberfall geliefert, sagte Kirchner.

Die Tatvorwürfe seien "null und nichtig", erklärte der Verteidiger der beiden Angeklagten: Sein Mandant habe - im Gegensatz zu den Angaben der Staatsanwaltschaft - "keine finanziellen Probleme gehabt". Auf der Haube seien DNA-Spuren von mindestens zwei Personen entdeckt worden. Die Handy-Rufdaten seien "lückenhaft".

Bei Einvernahmen gelogen

Der 28-Jährige gab am Montag an, bei den Einvernahmen bei der Polizei gelogen zu haben. Der Angeklagte sagte aus, am 18. Dezember 2014 aufgrund eines Hexenschusses in seiner Wohnung gewesen zu sein. Seine Schwester habe sich bis zum Nachmittag um ihn gekümmert, dann habe er sie - trotz Hexenschuss und ohne Führerschein - mit dem Auto nach Hause gebracht. Die Schwester hatte hingegen bei der Polizei ursprünglich angegeben, bis 19.00 Uhr durchgehend in der Wohnung ihres Bruders gewesen und mit dem Zug nach Hause gefahren zu sein. "Ich habe mich geirrt", sagte die 25-Jährige am Montag vor Gericht.

Ein Bekannter des Angeklagten belastete ihn: Der Beschuldigte "hat angekündigt, einen Holztransporter zu bestellen und einen Raubüberfall zu machen", sagte der 26-Jährige als Zeuge. Dem Angeklagten drohen in der Schöffenverhandlung wegen schweren Raubes mit einer Waffe ein bis 15 Jahre Haft. Dem 28-Jährigen wird zudem Urkundenunterdrückung und Veruntreuung vorgeworfen - in seiner Wohnung wurden ein unterdrücktes Kennzeichen, ein unterschlagener Führerschein und zwei Bohrmaschinen aus dem Besitz seines ehemaligen Arbeitgebers gefunden.

Fahrer schildert Attacke

Der Fahrer der tschechischen Holzfirma erzählte in der Schöffenverhandlung am Landesgericht St. Pölten, dass an der angegebenen Lieferadresse ein Mann aus dem Garten gekommen sei und ihm gezeigt habe, wo er das Holz abladen sollte. Als der Tscheche dies erledigt hatte, sei er beim Zahlen gefragt worden, ob er Geld herausgeben könnte. Der Fahrer stieg seinen Angaben zufolge in den Lkw ein, um Wechselgeld aus dem Fahrzeug zu holen - "die Tür war geschlossen, das Fenster offen".

Während er die Firmenbrieftasche holte, habe der Täter ihm "mit Spray ins Gesicht gespritzt und den Geldbeutel entrissen". Zwei Sekunden lang habe ihm der Mann auf die Stirn gesprüht. Als der Lenker wieder zu sich gekommen war, lief er auf die Straße und rief die Polizei. Der Tscheche wurde im Krankenhaus aufgrund von Entzündungen an Augen und Mundschleimhaut behandelt.

Der Lkw-Fahrer hatte in den Taschen des Täters einen grauen Bären als Schlüsselanhänger gesehen. Richter Slawomir Wiaderek zeigte dem Angeklagten ein Foto des Schlüsselanhängers, den der Beschuldigte als seinen erkannte.

In SMS hatten sich der Angeklagte und sein 26-jähriger Bekannter, der am Montag als Zeuge aussagte, unter anderem über den Kauf von Handyguthaben für die Holzbestellung auf das Grundstück eines Wiener Ehepaares im Bezirk Tulln per Wertkartenhandy ausgetauscht. Die 25-jährige Schwester des Beschuldigten steht wegen falscher Beweisaussage vor Gericht.