St. Pölten

Erstellt am 08. Februar 2018, 19:18

von Lisa Röhrer

ASBÖ-Chef warnt: „Wir haben immer weniger Zivis“. April-Termin bereitet noch größere Probleme als gewohnt. ASBÖ-Chef warnt: „So werden wir den Standard nicht halten können.“

Immer weniger Jugendliche melden sich zum Zivildienst. Für Clemens Hörmann und Nicolas Bayer (v. l.) ist das unverständlich. Sie packen gerne beim ASBÖ mit an.  |  NOEN, privat

Der traditionell schwächste Einrückungstermin bereitet den Rettungs-Organisationen heuer noch größere Probleme als gewohnt: Das Rote Kreuz und der ASBÖ klagen über zu wenig Zivildiener.

„Wir bekommen immer weniger Zivis“, ist ASBÖ-Obmann Markus Voglauer besorgt. Im Normalfall verstärken 16 bis 17 junge Männer in St. Pölten das Team des Samariterbundes. Bisher hätten sich für den nächsten Turnus erst neun Kandidaten gemeldet. „Wir hoffen natürlich, dass noch welche nachkommen“, sagt Voglauer.

„Dennoch wird der Politik zu erklären sein, dass wir hier an einem Wendepunkt stehen.“ Wegen der sinkenden Zahl an Männern, die ihren Präsenzdienst bei der Rettung ableisten, benötigen die Organisationen mehr hauptberufliche Mitarbeiter. Denn aus dem Zivildiener-Mangel resultiert ein Mangel an Freiwilligen. „Die Ehrenamtlichen sind nämlich oft jene, die zuvor ihren Zivildienst bei uns geleistet haben“, weiß Voglauer.

„Wir werden den europäischen Standard der Rettungstransporte in St. Pölten nicht halten können"

Es gehe somit in Richtung Professionalität – das koste aber Geld. Alleine heuer hätte der ASBÖ vier neue Mitarbeiter angestellt. Dafür gebe es aber eigentlich nicht genügend Geld. „Das ist einfach zu teuer“, weiß Voglauer, „Wir werden den europäischen Standard der Rettungstransporte in St. Pölten nicht halten können, wenn die Finanzierung so bleibt, wie sie ist.“

Werner Schlögel vom Roten Kreuz klagt ebenfalls über zu wenige Zivis. Bei der Bezirksstelle sind derzeit 42 Zivildiener beschäftigt, 14 werden pro Termin aufgenommen. Für April gibt es noch acht freie Plätze. Er führt das vor allem auf den ungünstigen Termin für angehende Studenten zurück. Für jene, die im Oktober zu studieren beginnen möchten, falle der Turnus schlecht. Ein weiterer Grund für die momentan sehr niedrigen Zivi-Zahlen seien, laut Schlögel, die geburtenschwachen Jahrgänge.

„Besseres Image des Bundesheeres“

Der ASBÖ-Chef glaubt an andere Gründe: Er hält das mittlerweile bessere Image des Bundesheers für eine Ursache. Dort ist die Dienstzeit kürzer und die Bezahlung wurde aufgebessert. Eine weitere Ursache seien zudem die vielen Möglichkeiten, die junge Männer heute haben. „Sie müssen nicht bei der Rettung arbeiten“, meint Voglauer.

Stellen für Zivildiener werden aktuell in 21 Einrichtungen der Landeshauptstadt angeboten, darunter etwa Emmaus oder die Diakonie. Doch auch diese scheinen nicht gerade überlaufen: 17 davon haben für den Turnus ab April noch freie Plätze. Das kann – exemplarisch – auch das Haus St. Elisabeth bestätigen. Dort gibt es für den April-Termin auch noch keine Anmeldungen. In den vergangenen Jahren war die Nachfrage jedoch immer da.