St. Pölten

Erstellt am 06. Februar 2018, 03:38

von Beate Steiner

Primärversorgung als "Arztpraxen der Zukunft ". Moderne Ordinationen bringen Patienten-Vorteile. Sorge um Nachbesetzung in der Altstadt.

Information über die geplante ärztliche Versorgung gab es von Karl Bachinger, Lukas Heschl (NÖ Ärztekammer), René Nikzad (NÖGKK), Gerhard Aigner sowie Stefan  |  NOEN, Eichwalder vom Gesundheitsministerium.

Für Patientenanwalt Gerald Bachinger bringen die geplanten Primärversorgungseinrichtungen (PVE) nur Vorteile: „In diesen modernen Organisationsformen haben die Patienten nach wie vor ihren Vertrauensarzt, aber zu längeren Öffnungszeiten. Und zusätzlich abgestimmte Angebote von anderen Gesundheitsberufen.“ In den Primärversorgungseinrichtungen arbeiten mindestens drei Allgemeinmediziner mit Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Diätologen, Sozialarbeitern und anderen nicht-medizinischen Spezialisten zusammen. Die bisherigen Erfahrungen seien positiv, „die Patientenzufriedenheit ist sehr hoch“, betont Bachinger.

14 PVEs in Niederösterreich in Planung

Bis 2021 sollen in Niederösterreich 14 solcher PVEs als Ergänzung und Weiterentwicklung der derzeitigen hausärztlichen Versorgung entstehen. „Das wird die Zukunft sein“, ist Martina Amler, stellvertretende Direktorin der NÖGKK, überzeugt.

Denn „Ärzte wollen, dass ihre Patienten bestens versorgt sind und sie selbst nicht mehr als Einzelkämpfer agieren müssen.“ In PVEs werden Mediziner von administrativen Aufgaben entlastet und auch von Tätigkeiten, die Nicht-Mediziner erledigen: Wundversorgung, Ernährungsberatung, Prävention. Außerdem ermöglichen Team- und Fallbesprechungen bestmögliche Hilfe. „Funktionieren wird das aber nur, wenn wir Ärzte haben“, sorgt sich die Juristin um den Mediziner-Nachwuchs.

„Funktionieren wird das nur, wenn wir genug Ärzte haben.“ Martina Amler. NÖGKKDirektor-Stellvertreterin

Das macht auch Stadtmarketing-Geschäftsführer Matthias Weiländer, allerdings mit lokalem Bezug. Denn in den nächsten Jahren werden einige praktische Ärzte in der Altstadt in Pension gehen. Deren Ordinationen entsprechen nicht mehr den neuesten Standards, müssten adaptiert werden. Vor allem auch deswegen, weil sie nicht behindertengerecht sind.

NV-Center als perfekter Standort?

Nachfolger könnten nun theoretisch an neue Standorte außerhalb der Promenade ziehen. Primärversorgungszentren sind für Matthias Weiländer daher die beste Lösung, um die ärztliche Versorgung in der Altstadt weiter zu gewährleisten und auch, um die Ordinationen als Frequenzbringer im Zentrum nicht zu verlieren. „Idealer Standort für ein Primärversorgungszentrum wäre etwa das NV Center, das ist auch fußläufig vom Bahnhof aus erreichbar“, so der Geschäftsführer der Marketing St. Pölten Gesellschaft.

Auch Bürgermeister Matthias Stadler sieht die „Gesundheitsdienstleister“ Ärzte als wichtigen Bestandteil des Lebens in der City: „Wenn in der Altstadt entsprechend viele Leute wohnen ist es naheliegend, dass sie den Arzt gleich ums Eck in Anspruch nehmen und sich nicht ins Auto setzen und in die Peripherie fahren“, so der Stadtchef. Außerdem sei die Innenstadt der erweiterte Bereich des im Masterplan festgelegten Gesundheitsviertels.

Abwanderung der Mediziner kein Thema

Allgemein steige die Zahl der Arbeitsplätze im Gesundheitsbereich im Stadtzentrum, sieht Stadler keine große Gefahr in einer Abwanderung der Mediziner und auch keine St. Pölten-spezifische Angelegenheit. „Das Problem der Nachbesetzung von Praxen ist ja allseits gegeben. Hier müssen sich die zuständigen Stellen wie etwa Ärztekammer, Gesundheitsministerium und Bildungsministerium rasch überlegen, wie man Abhilfe schaffen kann.“ Eine gezielte Förderung von Arztpraxen, wie in manchen ländlichen Gegenden üblich, wird in St. Pölten jedenfalls nicht angedacht, erklärt Stadler: „Die Ordinationen sind ja vorhanden. Und grundsätzlich können auch alte Häuser barrierefrei gestaltet werden, indem etwa ein Lift eingebaut wird – so können auch bestehende Arztpraxen ein Upgrade erfahren.“

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