St. Pölten

Erstellt am 01. Dezember 2016, 06:10

von Lisa Röhrer

„Neue Formen der Gewalt“: Frauenhaus hilft Opfern. 70 Betroffene suchten heuer Schutz im Frauenhaus. SJ und Frauenplattform wollen sensibilisieren.

Mit einem Vortrag der Leiterin des St. Pöltner Frauenhauses, Maria Imlinger (vorne rechts) wurde die internationale Kampagne  |  Lisa Röhrer

Erniedrigt, bedroht und verletzt — häusliche Gewalt gehört für viele Frauen auch heute noch zum Alltag. Frauenhäuser stellen demnach einen Schutzraum dar, der dringend gebraucht wird. Auch in St. Pölten wird die Einrichtung als letzter Ausweg von Hilfesuchenden immer wieder in Anspruch genommen. Fast 70 Frauen haben heuer das städtische Frauenhaus aufgesucht. Außerdem wurden in St. Pölten 83 Betretungsverbote von der Polizei ausgesprochen.

"Sichtbare Verletzungen werden weniger"

„Als das ´Haus der Frau´1984 in St. Pölten von der katholischen Frauenbewegung gegründet wurde, waren die Betreiber mit Anfeindungen konfrontiert“, erzählt Maria Imlinger, die Leiterin der Einrichtung, im Rahmen eines von der Sozialistischen Jugend (SJ) veranstalteten Vortrags. „Man war der Meinung, dass so etwas in großen Städten gebraucht wird, aber nicht hier, in einer kleinen Stadt wie St. Pölten“. Dass dem doch so ist, hat sich aber schon bald gezeigt.

Aus anfangs fünf Schlafplätzen wurden mit der Zeit 18 Plätze für Frauen und etwa noch einmal so viele für Kinder. Denn obwohl sich die Formen der Gewalt geändert hätten, ist diese längst nicht verschwunden. „Männer misshandeln heute anders als früher. Sichtbare Verletzungen werden weniger. Aber es gibt auch Formen körperlicher Gewalt, die keine sichtbaren Spuren hinterlassen“, erklärt Imlinger und nennt Würgen als Beispiel.

Betroffene werden im „Haus der Frau“ rundum betreut, neben der Unterstützung durch Sozialarbeiterinnen und psychischer Betreuung, kann auch rechtliche Hilfe in Anspruch genommen werden. „Im Durchschnitt bleiben die Frauen etwa vier bis sechs Monate bei uns“.

Aktionen gegen Gewalt an Frauen

Mit dem Vortrag wurde die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ eingeläutet.

Diverse Aktionen sollen zwischen dem „Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen“ (25. November) und dem „Tag der Menschenrechte“ (10. Dezember) das Thema ins Bewusstsein rücken. Am Rathaus wurde die Fahne „frei Leben - ohne Gewalt“ gehisst. Die Frauenplattform zog mit Trillerpfeifen durch die Stadt, um auf Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen.