Erstellt am 07. September 2015, 16:32

von Nadja Straubinger

Mit dem Auto nach Astana. Der Pottenbrunner Harry Gangl reiste mit der Konsulin der Botschaft Sieglinde Spanlang nach Kasachstan. Seine Eindrücke beschreibt er im Gespräch mit der NÖN.

 |  NOEN, zVg

"Das Leben ist eine Reise, die bei uns selbst endet"– nach diesem Motto machten sich Harry Gangl vom Wohlfühlzentrum Pottenbrunn und Sieglinde Spanlang, Konsulin der österreichischen Botschaft in Astana auf, um mit dem Auto rund 20.000 Kilometer von Wien nach Astana (Kasachstan), dem Dienstort von Spanlang, in fünf Wochen zurückzulegen.

„Die Schönheit der Natur ist unglaublich, die großen Städte faszinieren. An den Schauplätzen gibt es spannende Geschichten. Schauplätze und Menschen, auf Wegen weit abseits der Touristenpfade, begeistern mit ihrer Geselligkeit“, schwärmt Gangl. Die Konsulin stimmt mit ein: „Es war uns ein großes Anliegen, mit einem Kofferraum voll von Spielzeug, Teddybären, Kleidung, Malfarben, Süßigkeiten und anderen nützlichen Dingen die Gesichter der Kinder dieser oft sehr kargen Gegenden zum Strahlen zu bringen. Es ist uns gelungen.“

Großes Abenteuer für alle Beteiligten

Darüber, dass es ein Abenteuer war, sind sich die beiden einig. „Wenn du um drei Uhr früh an einem See vor deinem Zelt sitzt, im Umkreis von 700 Kilometern ist keine Menschenseele, nur Millionen von Sternen über dir, wilde Kamele und Pferde grasen um dich rum und der lauwarme Wind der Steppe streichelt deinen Körper, ist es unbeschreiblich“, so Gangl. Der Großteil der Menschen dort lebe in den Städten oder verstreut als Hirten in den tausenden Jurten. Diese sind einfach, aber stabil und funktional gebaut. „Rund wie ein Zelt, weiß, mit einer bunten Tür, innen im Kreis angeordneten Betten, dazwischen Küche, Waschgelegenheit und der Ofen in der Mitte, wo alles vom Fleisch, das roh an der Wand hängt, bis hin zur Mehlspeise und Tee in einer Brühe aus Stutenmilch gekocht wird“, beschreibt Gangl.

Das Befahren der Straßen ist eine Herausforderung. „Zweimal habe ich den Reifen wechseln müssen, auf der Straße der Haifischzähne“, so nennt Gangl das Nichts zwischen der ebenfalls durchquerten Zentral Gobi Wüste und der russischen Grenze im Norden. „Zweimal auf 40 Kilometer und dann ging’s mit dem Notreifen ins 1.400 Kilometer entfernte Barnaul über Stock und Stein und durch mehr als knietiefe Flüsse.“

Verstrahltestes Gebiet der Erde auf der Route

Nachdenklich machte ihn der Besuch in Semipalatinsk in Kasachstan. Es ist eines der verstrahltesten Gebiete der Erde, wo seit 1949 knapp 500 Atombomben auf einer Fläche von Niederösterreich gezündet worden sind. „Den Menschen haben sie erzählt, wie schön doch so ein rosa Pilz sei, um Jahrzehnte später noch die Auswirkungen der 4500-fachen Hiroshima-Strahlung erforschen zu können“, weiß Gangl. Noch immer seien Tausende krank und sterben an den Folgen. „Wir standen fassungslos am Krater, wo Bomben gezündet wurden und der Strahlenwert noch immer um das 500-fache über der Maximaldosis liegt.“

„Wasser ist wichtig, nicht ein Bündel Geld. Aber auch die Freundschaften, die wir mit den Menschen schließen konnten.“ Harry Gangl

Beeindruckt haben die Siebentausender in Kirgistan, das Tianshan-Gebirge zu China und die zweitgrößte Goldmine der Welt. „Das Leben in diesen Ländern ist anders als daheim. Zeit hat keine Bedeutung, man steht auf, wenn es hell wird, und legt sich nieder, wenn es dämmert“, beschreibt Gangl das Leben auf der Reiseroute. Außerdem zählen am Land nicht das Streben nach immer mehr oder der Kampf um Geld und Macht, wie er sagt, sondern der Einklang mit der Natur und heilige Stätten der Schamanen wie am Olchon See in Sibirien. „Dort kann man die Ohnmacht als kleiner Wurm mitten in der Wüste Gobi fühlen. Wasser ist da wichtig, nicht ein Bündel Geld. Aber auch Freundschaften, die wir mit den Menschen schließen konnten“, blickt der Pottenbrunner zurück.
 


Die Reiseroute

Wien über Tschechien, Polen, Litauen, Lettland, Russland bis nach Ulan Ude , Mongolei (bis Nord – China) - Kasachstan – Kirgistan – und Tadschikistan - zurück nach Astana in Kasachstan.