St. Pölten

Erstellt am 25. August 2016, 05:46

von Mario Kern

Bahn-Personal ist geschult. ÖBB und Westbahn setzen auf Polizei-Expertise. Security am Hauptbahnhof sei ausreichend.

 |  NOEN, NÖN

Gewalttaten in Zügen haben in den letzten Wochen gleich mehrmals für Aufsehen gesorgt, nicht nur in der Schweiz und in Bayern, sondern zuletzt in Vorarlberg. Möglich seien Fälle wie diese überall betonen sowohl ÖBB als auch Westbahn. Der Vorfall Mitte Juli am Hauptbahnhof St. Pölten war Gott sei Dank ein Fehlalarm.

Solche Extrem-Fälle seien glücklicherweise sehr selten, betont ÖBB-Sprecher Karl Leitner. Bedrohungen und Tätlichkeiten gegen Reisende seien in den letzten Jahren sogar stetig zurückgegangen: 2013 war es zu 20 Vorfällen gekommen, ein Jahr später zu 17 und im Vorjahr nur zu 15. „Bei 469 Millionen Fahrgästen im Jahr ist das sehr gering“, so Leitner.
Bei der Westbahn habe es solche dramatischen Fälle noch nie gegeben, weiß Sprecherin Ines Volpert. „Aber natürlich verbale Ausfälligkeiten und körperliche Attacken. Das ist allerdings nichts rein Bahnspezifisches.“

ÖBB und Westbahn legen gleichermaßen Wert auf Schulungen durch die Polizei, damit Zugbegleiter in Notfällen deeskalierend wirken können und mit Handlungsketten vertraut sind. „In Vorarlberg wurde rasch die Notfalltaste gedrückt. Der Zugführer hat daraufhin umgehend die Polizei verständigt. Als der Zug in den Bahnhof eingefahren ist, hat die Polizei schon auf den Täter gewartet“, verrät Karl Leitner. Bei Amokläufen funktioniere Deeskalation freilich nicht. „Bei anderen allerdings schon“, ergänzt Volpert. „Unsere Stewards lernen, wie man auf Menschen mit aggressivem Verhalten reagiert.“

Security und Kameras für Sicherheitsgefühl

Für die Sicherheit der Kunden werde viel getan – fast noch wichtiger sei es aber, das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu heben, betonen Leitner und Volpert. Dazu tragen videoüberwachte Bahnhöfe und die Präsenz von Sicherheitspersonal und Zugbegleitern bei. Dieses Jahr haben die ÖBB bereits 140 Baumaßnahmen an 50 Bahnhöfen in ganz Österreich durchgeführt – auch in St. Pölten: Gänge und Nischen wurden besser ausgeleuchtet, Videokameras und Wandspiegel installiert, damit Ecken besser einsehbar sind. Solche Maßnahmen haben sich im Vergleich zum Vorjahr eigentlich verdoppelt.

Auch die Sicherheitsleute werden immer mehr: Ende des Vorjahres gab es 280, aktuell sind es schon 490. Am St. Pöltner Hauptbahnhof wurde „das Security-Personal nicht aufgestockt. Wir haben zehn Sicherheitsleute im Einsatz. Das ist ausreichend, mehr ist nicht nötig“, so Leitner.

Für ÖBB- und Westbahn-Mitarbeiter, die bei Vorfällen oder Auseinandersetzungen traumatisiert wurden, gibt es interne Vertrauenspersonen. Als Notfallpsychologin betreut die St. Pöltnerin Michaela Stockinger Westbahn und NÖVOG: „Wichtig ist abzuklären, ob es zu posttraumatischen Störungen kommen kann“, weiß sie. „Da brauchen die betreffenden Personen Verständnis und Betreuung.“