Erstellt am 03. Juni 2016, 05:05

von Daniel Lohninger

Nach der Flut ist vor der Flut. VP will Förderung für Schutzmaßnahmen, SP sieht vor allem die Bauern in der Pflicht.

Die B 1 wurde wieder überflutet. Die Schlamm- und Wassermassen überschwemmten auch mehrere Keller und Gärten in Pottenbrunn. Im Einsatz waren die Feuerwehren Pottenbrunn, Unterradlberg und Ratzersdorf.  |  NOEN, FF Pottenbrunn

Nur kurz dauerte das Gewitter und doch schwammen gleich mehrere Häuser sowie die B 1 in Pottenbrunn. 2013 war das so und am vergangenen Montag wiederholte sich das Schauspiel.

Der Schaden hätte sich verhindern lassen, ist VP-Vizebürgermeister Matthias Adl überzeugt: „Hätte die SP unserem Antrag vor drei Jahren zugestimmt, wäre das nicht passiert.“

2013 hatte die VP unter dem Eindruck der damaligen Überflutungen in Pottenbrunn im Gemeinderat einen Antrag gestellt, „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu fördern. Damals blitzten die Stadt-Schwarzen aber ab. Adl: „Wir werden deshalb in der Juni-Sitzung diesen Antrag erneut einbringen.“

"Investitionen würden sich rasch rechnen"

Die Idee: Wer selbst in Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit sogenannten Tagwasserabflüssen investiert, soll von der Stadt die Hälfte der Kosten – maximal 3.000 Euro – refundiert bekommen.

Förderbare Maßnahmen könnten beispielsweise Sockelmauern für Zäune, Schwellen vor den Einfahrten, druckwasserdichte Kellerfenster oder wasserdichter Sockelputz sein. Einzige Voraussetzung soll sein, dass der Fördernehmer in einer von der Stadt definierten Zone wohnt, die bei Starkregen-Ereignissen häufiger geflutet werden.

Selbstschutzmaßnahmen für die Häuser, die in den Abflusslinien stehen, seien zweifellos sinnvoll, erklärt Baudirektor Kurt Rameis. Die zumeist überschaubaren Investitionen würden sich für Hausbesitzer allein durch den vermiedenen Schaden rasch rechnen.

"Konzentration des abfließenden Wassers"

Aber, so Rameis: „Es sollte nicht so sein, dass die Selbstschutzmaßnahmen dazu führen, dass vom ökologischen Rückbau der verhunzten Agrarlandschaft Abstand genommen wird.“

Schuld an den Überflutungen sei, dass bei den Kommassierungsverfahren der Vermehrung von Ackerfläche der Vorzug vor allen anderen Gesichtspunkten gegeben worden sei. Eine der Folgen sei, dass die Landschaft kaum Niederschlag zurückhalte.

„Dadurch kommt es zur Konzentration des abfließenden Wassers in den Tiefenlinien des Geländes“, so Rameis. Gerade dort stünden aber oft Siedlungen. „In der Praxis reden wir von Abflüssen in der Größenordnung von fünf Kubikmetern pro Sekunde, das entspricht einem Werksbach“, erläutert Rameis. Mit den üblichen Rohrleitungen würden sich solche Wassermassen nicht fassen lassen.

"Förderungen verhindern keine Hochwässer"

Sein Vorschlag: ein ökologischer Rückbau und ein Wegenetz, das die Abflusslinie kreuzt und nicht „wie heute als Abflussbeschleuniger wirkt“. Allerdings, schränkt Rameis ein: „Solche ‚agrarische Operationen‘ können nur im Konsens mit den betroffenen Landwirten in Angriff genommen werden. Ist diese Einsicht und die Bereitschaft der Grundeigentümer nicht vorhanden, ist zumeist nichts zu machen.“

In Pottenbrunn wäre ein Auffangbecken notwendig, ergänzt SP-Vizebürgermeister Franz Gunacker. Allerdings seien die Landwirte nicht bereit, die notwendigen Grundstücke zu vertretbaren Preisen zur Verfügung zu stellen. Und: „Individuelle Förderungen verhindern keine Hochwässer.“

Adl hat wenig Verständnis für die Einwände: „Wer schnell hilft, hilft doppelt. Die individuelle Förderung schließt eine nachhaltige Lösung im Einzugsbereich nicht aus.“ Die absolut regierende SP sei offenbar nicht gewillt, eine sinnvolle Idee der Opposition umzusetzen.